Also sprach Maestro
Keiner anderen Sprache ist das Melos so sehr eingeschrieben wie dem Italienischen. Genüsslich gedehnte Vokale, das grammatikalisch optimierte Verschmelzen von Worten, das emotionale Spiel mit Tonhöhen – alle Parameter der Sprache von Dante und Petrarca dienen dem einen großen Ziel des Legato. Die kompositorische Verfeinerung des Italienischen in den Opern von Monteverdi über Bellini und Verdi bis zu Nono und Sciarrino kann daher immer auf den genuin musikalischen Charakter der Sprache vertrauen.
Womit auch der alte Parteienstreit zwischen Dichtern und Komponisten – prima la parola versus prima la musica – gleichsam ins Leere geht.
Riccardo Muti weist darauf in der verblüffenden neuerlichen Lektüre von Bellinis «Norma» hin, die er – immerhin 29 Jahre nach seiner letzten Einstudierung – im Rahmen der Trilogia d’Autunno des Ravenna Festivals knapp vor Weihnachten in seiner Wahlheimat, der Emilia-Romagna, dirigierte (erarbeitet hatte er sie kurz zuvor im Rahmen seiner Italian Opera Academy der Fondazione Prada in Mailand). Mit der Aufführung im Teatro Dante Alighieri macht der Maestro deutlich: Im viel zu lange unterschätzten Orchesterpart gibt es keine nebensächlichen Noten, nicht ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Peter Krause
JUBILARE
Helga Dernesch eroberte sich als Ensemblemitglied in Bern, Wies -baden und Köln sukzessive das hochdramatische Sopranfach, bevor sie 1967 mit der Elisabeth erstmals eine große Wagner-Partie bei den Bayreuther Festspielen sang. Bei den Salzburger Osterfestspielen gehörte die gebürtige Wienerin zu den bevorzugten Sängerinnen des Dirigenten Herbert von...
Vielbegabt
Sie war definitiv eine Frau mit vielen Talenten. Sie schrieb, sie malte, und eines Tages fasste sie den Entschluss, Komponistin zu werden. Als solche hat Louise-Angélique Bertin vier Opern hinterlassen. Die wohl bekannteste darunter, ihr «Fausto», wird nun am Theater Essen in einer Inszenierung von Tatjana Gürbaca gezeigt. Wir sind dabei
Experimentell
...
Der Mann hatte viele Talente. Fast zu viele, um sich zu entscheiden. Doch Günter Henle, Nachfahre einer jüdischen Familie, die, um antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, zum katholischen Glauben übergetreten war, machte aus der «Not» eine Tugend: Er vereinte die Begabungen und reüssierte erst als Diplomat, dann als Industrieller und schließlich als Verleger. Für...
