Alles Wahnsinn

Amsterdam, Donizetti: Lucia di Lammermoor

Zur Ouvertüre färbt sich das Bühnenlicht ätherisch blau. Im leichten Dunst entschwebt eine Figur gen Himmel: Lucia. Dann die Überblendung: ein großer, kahler Raum, mit hohem Fenster, in Weiß-Grau gehalten, vor das sich immer wieder schwarze Wände schieben. In der Mitte ein riesiges Bett, in dem Lucia träumt. Von ­ihrer Kindheit und Jugend, als sie noch mit Puppen spielte. Diese hocken als ausgestopfte Ebenbilder zu fünft rund um die Liegestatt am Boden. Dort öffnet sich plötzlich ein riesiges schwarzes Loch, in das Lucia ­hineinzustürzen droht.


Man sieht: Lucia di Lammermoor wird nicht im Verlauf der Handlung wahnsinnig, sondern sie hat diesen Geisteszustand bereits mit dem Beginn der Geschichte erreicht. Alles was folgt, ist Traum, Alptraum, Rückblende. Eine Frau wird zerstört – von einer männlich dominierten Umwelt, die in erster Linie mit Machtfragen, Kriegen und Intrigen beschäftigt ist. Liebe ist nur ein hohles Wort, das gelegentlich mit einer emphatischen Tenorarie gefüllt erscheint: Ismael Jordi als Edgardo absolviert das in Spiel und Gesang mit schöner Eindringlichkeit – ein romantischer Jüngling aus dem Bilderbuch, der zuvor schon «Romeo und Julia» und Goethes «Werther» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
«In der Oper muss man auch träumen»

Ein kostbares, dunkel getöntes Timbre. Eine bravouröse Beweglichkeit und eine mühelos ansprechende Stimme im Ziergesang. Ein stets waches, kultiviertes Stilgefühl. Schauspielerisches Temperament und eine anmutige Bühnenpräsenz. Laura Polverelli ist wie geschaffen für das Repertoire eines Koloraturmezzos. Und für die Hosenrollen der Opernliteratur. Die in hohen...

Subjektives Espressivo

Karl Richter wuchs in der sächsischen Kantorentradition auf, übte auf Silbermanns Freiberger Domorgel, wurde noch von Karl Straube als Schüler angenommen und als ganz junger Mann Organist an der Leipziger Thomaskirche. Karriere macht er in München, wo er sich an der Markuskirche einen eigenen Bach-Chor aufbaute und im katholischen Bayern ein Stück protestantische...

Erinnerungen an einen Ausnahmesänger

Es ist schon verwunderlich, dass über Gottlob Frick, den König der deutschen Bassisten der Nachkriegszeit, bis dato zwar eine Fülle von Einzeldarstellungen existierten, aber keine Biografie zur Verfügung stand. Jetzt ­allerdings ist dieser Mangel behoben durch den im Stieglitz-Verlag erschienenen Titel «Der Sängerfürst» von Klaus Günther, der zum diesjährigen...