«Alles geben – total!»

Catarina Ligendza über die Arbeit mit Carlos Kleiber, die Schule von Josef Greindl, die Schwierigkeiten mit Studioaufnahmen und das Glück, früh aufzuhören

Generationenwechsel im Fach der Hoch­dramatischen. Als die Zeit der gro­ßen Nachkriegsheroinen – der Varnay, der Mödl, der Nilsson – zu Ende ging, verkörperte sie in den siebziger und acht­ziger Jahren einen anderen Typ der Brünnhilde und der Isolde: Die Schwedin Catarina Ligendza gewann diesen Figuren ganz neue Aspekte von berüh­render Innigkeit und Mädchenhaftigkeit ab, ohne dass sie mit ihrem jugendlich-strahlenden Sopran dabei Abstriche an Intensität machen musste.

Im Gegenteil: Keine wie sie hat so scheinbar widersprüchliche Ausdrucks- und Tonstärkeangaben in Wagners Partituren wie etwa das «feurig, doch zart» zu der Passage «O Siegfried, Herrlicher! Hort der Welt!» in der letzten «Siegfried»-Szene derart zu Herzen gehend umsetzen können mit weich-leuchtendem Stimmansatz.
Catarina Ligendza, 1937 in Stockholm geboren, wuchs in einer Künstlerfamilie auf, in einem – wie sie sehr überlegt formuliert – «glücklichen Unbe­wusst­­sein vom Beruf der Eltern». Will heißen: Mit sieben Jahren erst, als sie zum ersten Mal in die Königliche Oper geführt wurde, erfuhr sie, dass ihr Vater Einar Beyron dort als berühmter Tenor und ihre Mutter Brita Hertzberg als nicht minder bekannte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Adam: Le Toréador

Von Adolphe Adams über siebzig Opern und Balletten sind nur die unsterbliche «Giselle» und der Tenor-Hit des «Postillons von Lonjumeau» der Furie des Vergessens entgangen. Jetzt hat Bielefeld den «Toréador» ausgegraben, eine 1849 uraufgeführte und in Deutschland anscheinend noch nie gespielte Opéra comique. Die Handlung bedient sich des Schemas der erotischen...

Neues in nicht immer gänzlich neuem Gewand

Das gibt es auch nicht alle Tage. Eine junge Regisseurin wirft zwei Tage vor der Premiere hin und reist ab, weil man sie um ein paar kleine szenische Änderungen bittet. So geschehen im Next Liberty, einer Nebenspielstätte der Grazer Oper. Dort versuchten sich vier Nachwuchskomponisten aus den Klassen etwa von Beat Furrer oder Georg Fried­rich Haas an Kurzformen...

Von echten und kalkulierten Gefühlen

Es sei ein Zeichen von geistesgeschicht­lichem Instinkt, dass Kritiker zur Eitelkeit neigen, befand Joachim Kaiser im einleitenden Essay zu seinem «Kleinen Theatertagebuch» (1965). Denn dadurch verrieten sie, dass sie alle Sicherheiten des Urteils vorspielen müss­ten. Dies scheint sich vor allem dann zu bestätigen, wenn in ein und derselben Sache die Meinungen...