Alles aus Passion
Frau Bartoli, Ihre gerade in Versailles gezeigte «Cenerentola» war ursprünglich als semikonzertant angekündigt. Das war aber doch mehr.
Wie wunderbar, nicht wahr? Eine sehr außergewöhnliche Besetzung in einer sehr außergewöhnlichen Atmosphäre. Ich empfand das als einen Abend der Superlative. Wir alle wollten dasselbe, waren im absoluten Gleichklang – das ist doch das Geheimnis einer richtig guten Aufführung! Sie basiert auf dem Wissen um das Stück: Alle bringen ihre Passion ein, haben aber auch unglaublich viel Vergnügen daran.
Sie haben diese «Cenerentola» auch in der Elbphilharmonie Hamburg aufgeführt. Einige mäkeln an der Akustik herum – Sie auch?
Ich mag sie sehr. Als ich das erste Mal in den Saal kam, dachte ich mir: Wow! Dann bin ich während der Proben durch die Reihen und Blöcke gegangen und habe mir die Musik von verschiedenen Positionen aus angehört. Es brauchte eine gewisse Eingewöhnungszeit, aber dann … Für mich war die Bühnensituation außerdem mirakulös. Meine Stimme wurde gut reflektiert, ich bekam viel zurück aus dem Saal. Und wenn man in eine Richtung singt, hat man trotzdem das Gefühl, dass auch von hinten Aufmerksamkeit kommt. Es gibt übrigens ganz besondere ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Interview, Seite 32
von Markus Thiel
Errare humanum est. Menschen irren, und das ist auch gut so. Ohne Irrtümer gibt es keine Erkenntnis, ohne Fehler wird man selten klug. Die Kritik bildet da keine Ausnahme. Wer urteilt, kann falschliegen. Wer wertet, kann danebenzielen. Kritiker, zumal solche, die sich mit Musik beschäftigen, der flüchtigsten aller Künste, bewegen sich auf instabilem Terrain....
«Der Wind wütete, hoch schwollen die Wogen, schwer wog die Luft von Dunkelheit. Der Ozean verfinsterte sich und der Regen peitschte in Stößen herab.» So beschrieb der Mediävist Joseph Bédier in seiner 1900 erschienenen Nacherzählung des Tristan-Stoffs das Meer. Derart wild geht es an der Cardiff Bay am Abend der Premiere von Frank Martins «Le Vin herbé» zwar nicht...
Dass Musik der Stille entspringt, dass Töne und Geräusche der Stille bedürfen, um Wirkung zu entfalten, ist eine Binsenweisheit. Doch bei wenigen Komponisten unserer Zeit wird sie gleichsam zum Äther des Klanggeschehens. Zu einer Art Nährstoff, der jede Schwingung, jede Schwebung durchdringt. Zu einer Kraft, die dem Unerhörten, dem Unaussprechlichen Form und...
