Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

Rossini-Festival Pesaro: Damiano Michieletto schummelt sich an «Sigismondo» vorbei, Davide Livermore verzaubert den uninszenierbaren Erstling «Demetrio e Polibio», Yves Abel legt Tiefenschichten der «Cenerentola» frei

Opernwelt - Logo

Zwischen dem Bastille-Sturm und dem Ende der Napoleonischen Kriege watete Europa in Blut. Kein Wunder, dass auf den Bühnen die Geister der Toten zurückkehrten und schuldbeladene Gewissen in Angst-Psychosen trieben. Rossinis 14. Oper, «Sigismondo», Ende 1814 entstanden und nun zur Eröffnung des 31. Rossini-Opera-Festivals in Pesaro erst zum zweiten Mal nach 1827 wieder gespielt, mutet ihrem Titelhelden nicht weniger als fünf Wahnsinnsszenen zu. Wozu noch drei Wahnsinnsszenen für den Bösewicht Ladislao kommen.

Damiano Michieletto verlegte die Handlung in ein russisches Irrenhaus anno 1910, von Tschechows Abendlicht mild übergoldet. Das gab ihm Gelegenheit, detailversessen mit seinen Statisten an klinischen Fallstudien zu feilen, störte aber Rossinis Musik und ging am Thema vorbei. «Sigismondo» referiert nicht die Geschichte der Psychiatrie, sondern erzählt von Schuld und wie Menschen damit umgehen.

Allenthalben verwickelte sich die Inszenierung in Widersprüche, gegen die Foppas Libretto ein Muster an Durchdachtheit ist. Ein Beispiel: Nachdem sich Leutnant Ladislao die Krankenberichte seines Königs von Prof. Dr. Zenovito hat vorlegen lassen, ist er plötzlich bass erstaunt, in diesem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festivals II / Panorama, Seite 64
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bitte nicht jedes Jahr eine neue «Carmen»!

Die Musikfilmproduktion kann man ungefähr einteilen in Aufnahmen der Performing Arts (also Konzert, Oper und Tanz), in Documentaries und Doku-Dramen. Welche dieser Gattungen gehen heute am besten?

Am interessantesten sind natürlich Doku-Dramen, die Darstellung des Lebens eines Künstlers mit Schauspielern. Aber das ist sehr aufwändig, zumal noch das Sprachproblem...

Romeo und Julia auf dem Lande

Was in den USA Aspen ist und in Japan das Pacific Festival bei Sapporo, dafür steht in Schweden der Name Vadstena: eine Sommerakademie, die dem musikalischen Nachwuchs den Schritt von der Ausbildung ins Berufsleben erleichtern will. Ein Ort, wo man die Stars von morgen hören kann. Eine Idylle, in der hart und doch entspannt gearbeitet wird. Musik und Landschaft....

Ausgefeilte Gesten, erlesene Töne

Die Kulturnation Österreich feiert ihre Liebe zur Musik im Sommer nicht nur bei den teuer subventionierten Salzburger Festspielen. Fast noch eindrucksvoller sind die vielen kleinen Festivals in der Provinz, wo mit großem persönlichen Einsatz und kleinen Budgets oft auf höchstem Niveau musiziert wird. So etwa bei dem im Jahr 1994 gegründeten Damtschacher Sommer, der...