Allein im Licht
Für einen Moment glaubt man, alles hätte auch eine andere Abzweigung nehmen können, ohne Schwan, Gottfried und Gralserzählung. Immer wieder werden Kerle an die Rampe geschoben – Zwangsfreiwillige als Stellvertreter Elsas im Kampf gegen den Ankläger Telramund. Doch mit Händen und Füßen wehren sie sich erfolgreich und lenken, ein Regiekniff, dabei vom rechten Bühnenrand ab. Dort hat sich der Titelheld in Gestalt von Klaus Florian Vogt unter die Menge gemischt und tritt plötzlich ins Licht.
Lohengrin als einer von uns.
Kein außerirdischer Gesandter, sondern ein mitten ins Geschehen Hineinkatapultierter – das gleicht gewiss nicht der Erfindung des Rads. So wie auch anderes in dieser Neuproduktion der Bayerischen Staatsoper. Den mystischen Teich in der Bühnenmitte kennt man von Keith Warners Bayreuther Lösung. Und das Konzept «Wir erzählen uns eine Geschichte aus unserer Mitte» wollte einst Andreas Kriegenburg für den Münchner «Ring» realisieren – um sich allerdings schon nach dem «Rheingold» untreu zu werden. Auch das gesamte Setting dieses «Lohengrin», ein Laborkasten (Bühne: Monika Pormale), in dem zum Vorspiel dumpf über Auswege aus einer undefinierten Zwangslage gebrütet wird, ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel
arte
05.02. – 17.30 Uhr Ode an die Nacht Das Klassikfestival La Folle Journée der bretonischen Stadt Nantes steht 2023 ganz im Zeichen der Nacht in der Musik. Neben Mozarts «kleiner Nachtmusik» und der «Barcarolle» aus Offenbachs «Les contes d’Hoffmann» stehen Werke von Bizet, Chopin, Boccherini, Dvořák und Strauss auf dem Programm des Abschlusskonzerts, das ARTE...
Hoffnung klingt anders. Traurig und trist tropfen die Achtel von der imaginären Decke herunter, fallen auf schwere, quer im Raum verteilte Halbnotensäulen. Und dann diese Tonart! D-Moll, das riecht nach Unheil, Schmerz, nach Tod. Dennoch versucht es der Dichter, mit einer triolischen, sich behutsam aufrichtenden Phrase und mit jenen Worten, die dem Komponisten...
Das deutsche Wort «Sehnsucht» sei in andere Sprachen kaum übersetzbar, schreibt die kanadische Sängerin und Dirigentin Barbara Hannigan in ihrem Vorspann zur gleichnamigen CD mit Werken von Berg und Mahler. Sie erklärt es ihrem internationalen Publikum als «ein Verlangen nach etwas, das nicht sein kann», als «einen Verlust, der nur ein endloses Sehnen hinterlässt»....
