Alle gegen alle

Die Bayerische Theaterakademie sorgt mit einer deftigen Produktion von Keisers «Fredegunda» für hitzige Reaktionen

Das Händel-Fieber hat sich nach dem Ende der Ära Sir Peter Jonas gerade ­etwas abgekühlt, da erhitzen sich in München die Gemüter erneut – bei ­einer Oper seines vornehmlich in Hamburg wirkenden Zeitgenossen Reinhard Keiser.

Freilich nicht im National­theater, sondern als Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater: Bei der Premiere hagelte es nach einer angedeuteten Penetration auf offener Bühne Buhrufe, ein erboster Zwischen­rufer störte eine Folgevorstellung, und die Leitung eines kleinstädtischen ­Theaters sagte ein bereits vertraglich vereinbartes Gastspiel ab. Begründung: «die freizügige bis pornografische und überaus gewaltbefrachtete Umsetzung des Stoffes, die wir gu­ten Gewissens unserem überwiegend aus Abonnement-Kunden bestehenden Publikum nicht zumuten können und wollen».
Klaus Zehelein, bis letzten Sommer Intendant in Stuttgart und jetzt Präsident der Theaterakademie, mag sich angesichts solcher Reaktionen verwundert die Augen gerieben haben, war ihm doch selbst bei den kühnsten Erzeugnissen des Regietheater in Baden-Württembergs Kapitale derlei nicht untergekommen. Dort hatte er Tilman Knabe schon erfolgreich mit Keisers ...

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Opernwelt April 2007
Rubrik: Magazin, Seite 32
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
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