Aktenzeichen Aufklärung, ungelöst
Fast möchte man Sandra Leupolds grandios durchgearbeitete Bühnenerzählung mit dem Titel «Histoire du soldat» versehen: So machtvoll und eindeutig in seiner Schwäche und Verletzlichkeit stand Max noch selten im Zentrum einer «Freischütz»-Interpretation. Wie die Figur von Ramuz und Strawinsky hat er sich teuflischer Übermächte zu erwehren, mehr aber noch von den hierarchischen Instanzen und Verhältnissen zu erdulden, die ihm, dem vom Schießglück Verlassenen, schon anfangs nicht mit gutmütigem Spott, sondern mit giftigem Hohn bis hin zu tätlichen Angriffen begegnen.
Max, vom Typus her hier ganz der erniedrigte und beleidigte Wozzeck, empfindet den Druck von außen als eine Kakophonie «innerer Stimmen» – zum Spottchor mit seinen jähen Lichtwechseln bewegt er stumm die Lippen, indem die Menge aus dem Dunkel heraus seine Ängste anheizt; ähnlich Kaspars internalisierte Fremdbestimmtheit später in der Wolfsschlucht. Er ist von Beginn an ein nicht so sehr zweifelhafter wie aussichtsloser Hochzeiter: Alexander Geller, schmal und aufgeschossen, dabei stimmlich mit einem Reichtum an Farben, Nuancen und Expressionen, der das scheinbar dumpf Getriebene der pointierten Darstellung faszinierend zu ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Hans-Klaus Jungheinrich
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Tröstliche Botschaften hält Alexander von Zemlinskys «Der Zwerg» nicht bereit. Der 1922 uraufgeführte Einakter beschreibt die zynischen Herrschaftsmechanismen am spanischen Königshof des 16. Jahrhunderts, die einen Kleinwüchsigen zum Spielball der dekadenten Hofgesellschaft herabwürdigen. Der Infantin Donna Clara zum Geburtstag geschenkt, wird ihm weisgemacht, er...
