Affentheater, dekonstruktiv und kathartisch

Die Oper Halle setzt auf der Raumbühne «Babylon» ihre äshetisch-politischen Erkundungen fort – mit Verdis «Requiem» und einem postkolonialen Blick auf Meyerbeers «L’Africaine»

Sie meinen es wirklich ernst in Halle mit dem Versuch, sowohl dem Publikum als auch den Künstlern die Wahrnehmungs- und Erfahrungsgewohnheiten der Oper radikal zu öffnen. Nach «Heterotopia» in der Spielzeit 2016/17 hat Sebastian Hannak erneut eine Raumbühne ins gediegen-prächtige Opernhaus gewuchtet, die die Grenzen von Zuschauerraum und Bühne aufhebt. «Babylon» heißt der zweite Versuch – eine metallene Konstruktion, die rauer, provisorischer wirkt als ihre leicht aseptische Vorgängerin und Orchester wie Besucher noch konsequenter in den Erlebnisort einbezieht.

In der dritten Aufführung von Verdis «Messa da Requiem» gibt es selbst unter langjährigen  Abonnenten kein Murren, wenn gleich zu Beginn Personal in weißen Schutzanzügen in eine Kammer bittet und dort Affenkostüme verteilt. Noch während das Orchester auf seinen Einsatz wartet, tobt auf der Raumbühne bereits laut- und sprungstark eine ebenso verkleidete Horde aus Choristen und Statisten herum. Und sobald der Chor raunend das «Requiem aeternam» anstimmt, sieht man sich vom Klang regelrecht umzingelt.

Intendant Florian Lutz inszeniert Verdis Totenmesse als postapokalyptische Zukunftsvision: Nach einer nicht näher bezeichneten ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Regine Müller

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