Adriana Hölszky: «Böse Geister» und «Deep Field»
Wenn sie sich verbeugt, denkt man unwillkürlich an eine verlegene Handarbeitslehrerin. Mit kleinen Schritten schiebt Adriana Hölszky ihre stolze und trotzdem geduckte, meist unauffällig gekleidete Gestalt nach vorn. Neigt nur knapp den Kopf, strahlt aber doch ein wenig über den ihr entgegenbrandenden Applaus. Und tritt sofort wieder zurück, verbirgt sich in den Reihen der Mitwirkenden.
Gleich zweimal hintereinander hat die Komponistin – die in Bukarest geboren wurde, längst aber in Deutschland naturalisiert ist und samt Rehpinscher Sancho in einem Stuttgarter Reihenhaus wohnt – in dieser Saison den notwendigen, aber ihr auch Pein bereitenden Parcours absolviert. In Düsseldorf ging Mitte Mai beim Ballett am Rhein «Deep Field» über die Bühne, ein Auftragswerk des dortigen Chefchoreografen Martin Schläpfer, der emphatisch nach neuen Partituren Ausschau hält, seine hungrigen Tänzer auf unbekanntes Tonterrain loslassen will und für den Hölszkys schillernd-düstere Klangflächen ein wunderbares, eben weites und tiefes, vor allem aber abgründiges Arbeitsfeld geworden sind.
Schon zwei Wochen später gab es am Mannheimer Nationaltheater die Uraufführung der Oper «Böse Geister». Für die hat ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Uraufführungen des Jahres, Seite 42
von Manuel Brug
Herr Bachler, stimmt es eigentlich, dass Sie in München mal als Kellner gearbeitet haben?
Ja, als Student einen ganzen Sommer lang. In einem Café am Odeonsplatz. Das muss so Anfang der Siebzigerjahre gewesen sein.
Und da konnten Sie zum ersten Mal beobachten, wie die Münchner ticken?
Vor allem habe ich damals zum Theater gefunden. Durch den «Sommernachtstraum» von...
Willensstark und tatkräftig sind sie, aber in ihrer Seele verwirrt, tief verletzt – ob sie Wotan oder Sachs heißen, Posa oder Amonasro, ob sie Namen wie Scarpia, Mandryka oder Wilhelm Tell tragen. Sie alle sind nur Kunstfiguren auf hölzernen Theaterbrettern. Aber wenn Michael Volle diese Figuren verkörpert, werden hinter den Rollen all die schwankenden Existenzen...
Komposition ist ebenso in die Zukunft projizierte Neuschöpfung wie auch Interpretation der gesamten Vergangenheit der Musik – ob der Komponist das will oder nicht», schrieb Hans Zender in einem 2012 veröffentlichten Aufsatz über das «Komponieren heute». In Hèctor Parras bei der Münchener Musiktheater Biennale uraufgeführten Oper «Das geopferte Leben» (siehe OW...
