Abseits der ausgetretenen Pfade

Neue Liedaufnahmen von Erich J. Wolff, Paul Hindemith und Othmar Schoeck

In ihren Tagebüchern aus der Zeit vor der Verheiratung mit Gustav Mahler erwähnt Alma Mahler-Werfel mehrfach Erich J. Wolff, einen Kompositionsschüler ihres Lehrers Alexander Zemlinsky und untrennbaren Begleiter Arnold Schönbergs. Von den Liedern des «ungewaschenen Juden» hielt die selbst komponierende Alma Mahler offensichtlich nicht viel. Wolff (1874-1913), der sein Leben hauptsächlich als Klavierbegleiter fristete, hat in der Musikgeschichte keine Spuren hinterlassen. Der rührige Peter P.

Pachl hat das Werk des Vergessenen wiederentdeckt und eine Auswahl von 43 Liedern mit einer liebevoll-gründlichen Einführung versehen. Was wir hören, fügt sich ganz ins Panorama der Jahrhundertwende ein.

Wolff ist ein geschickter Eklektiker, ein wendiger Zweitverwerter dessen, was ihm in der aufrauschenden Spätromantik von Richard Strauss, in den Klavierliedern des jungen Mahler oder der Exzentrik von Hugo Wolf entgegentritt, und würzt die Melange mit Anregungen, die er von Zemlinsky und seinen Wiener Zeitgenossen bezieht. Aber Wolffs Lieder finden zu keinem eigenen, unverwechselbaren Ton. Sie können den Vergleich nicht bestehen – weder mit dem erotisierenden Duft Strauss’ noch mit der ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/CDs/DVDs, Seite 32
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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Lied, Elektronik, Stimme

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