Gut gelaunt

Aus Originalquellen wiederhergestellt, zeitkritisch gerahmt: Paul Abrahams «Die Blume von Hawaii» in Dortmund

In den 50er-Jahren besaß offenbar jede Klinik, die auf sich hielt, einen Flügel. Oder sollte man das Instrument eigens für Paul Abraham hereingerollt haben, der auf dem Foto mit seligem Lächeln die Tasten streichelt, im Hintergrund das schmunzelnd lauschende Betreuungspersonal? Der Schnappschuss stammt aus dem Klinikum in Hamburg-Eppendorf, wo der psychisch kranke Komponist seit 1956 lebte. Zehn Jahre lang hatte man in New York die Folgen seiner verschleppten Syphilis behandelt, nachdem er – eine traurig-berüchtigte Episode – in Manhattan den Verkehr «dirigiert» hatte.

Am Ende sorgte ein Komitee für die Verlegung nach Hamburg, wo Abraham, der 1933 vertriebene Jude, ausgerechnet in die Abteilung des Psychiaters Hans Bürger-Prinz geriet, eines Mannes mit unrühmlicher Nazi-Karriere.

Der Regisseur Thomas Enzinger wird die Geschichte von den unglaublichen Berliner Erfolgen und dem betrüblichen Ende des ungarischen Operettenkomponisten (Abraham starb 1960 in Hamburg) mit offenem Mund gelesen haben. Vor zwei Jahren schon brachte Enzinger am Theater Dortmund die deutsche Erstaufführung (!) von Abrahams Fußball-Operette «Roxy und ihr Wunderteam» schmissig und rührend auf die Bühne und ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 13
von Michael Struck-Schloen