Abgefahren

Das Theater Hagen präsentiert Ludger Vollmers Adaption des Kult-Jugendromans «Tschick»

Kann Oper eigentlich cool sein? Kann der überhöhte und überhöhende Tonfall des «unmöglichen Kunstwerks» (Oscar Bie) die gewollte Lässigkeit und rotzige Lakonie Heranwachsender einfangen? Oder ist Oper –  zumindest in ihrer traditionellen Spielart mit klassisch ausgebildeten, gestützten und vibrierenden Stimmen – nicht tatsächlich das schiere Gegenteil von cool? Nämlich eine Kunstgattung, die den Überschwang bis an die Grenze zur Hysterie sozusagen in ihrer DNA trägt und von Monteverdi bis Rihm das gesprochene Wort doch eher dehnt als beschleunigt? Mag sein.

Ludger Vollmer hat dennoch versucht, eine Oper auf einen Roman zu schreiben, der längst Kult ist: Wolfgang Herrndorfs «Tschick».

Der 55-jährige Komponist arbeitet sich häufig an zeitgenössischen Stoffen ab und hat dabei eine jugendliche Zielgruppe vor Augen: 2008 vertonte er mit großem Erfolg Fatih Akins Film «Gegen die Wand», 2013 folgte «Lola rennt» nach Tom Tykwer. Beide Werke kamen am Theater Hagen heraus, das nun auch sein jüngstes Musiktheater in Auftrag gab und Vollmer gleich noch als Residenzkomponisten für die laufende Spielzeit installierte.

Nun also Herrndorfs «Tschick»-Buch, das seit dem Erscheinen 2010 eine ...

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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Regine Müller

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