Abenteuer moderne Musik

Sir Simon Rattle erklärt auf sieben DVDs die Klangbilder des 20. Jahrhunderts

Ein Kommunikationsgenie wie den britischen Dirigenten Simon Rattle hat es in der klassischen Musikhemisphäre wohl seit den Tagen Lenny Bernsteins nicht mehr gegeben. Dass Rattle (nicht erst als Nachfolger Claudio Abbados am Chefpult der Berliner Philharmoniker) zu den Top Ten der stabführenden Zunft aufschoss, ist nicht nur auf sein stets frisch wirkendes musikantisches Temperament zurückzuführen. Sir Simon punktet ebenso mit unprätentiösem Charme, wenn es um die verbale Vermittlung musikalischer Phänomene geht.

Die von ihm in Berlin initiierten und mit leidenschaft­lichem Engagement vorangetriebenen Education-Programme für Kinder und Jugend­liche haben sich als Erfolgsstory erwiesen. Wer den Dirigenten je bei der Probenarbeit mit Laien beobachtet hat, kann vor seiner Fähigkeit, selbst komplett Ahnungslose für die so genannte «klassische» Musik zu begeistern, nur den Hut ziehen.
Wer, wenn nicht Rattle, wäre also berufen, das vom breiten Publikum meist weit­räumig umfahrene Terrain der Moderne für eben dieses Publikum zu erschließen, die Schätze einer Landschaft zu heben, die für viele immer noch Terra incognita ist? Schon vor zehn Jahren nutzte der Mann aus Liverpool das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: DVDs, Seite 57
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mozart: Così fan tutte

So machen’s alle auf den Opernbühnen des 21. Jahrhunderts? Zum Glück nicht! Die klassischen Räume in David McVicars bemerkenswerter «Così fan tutte»-Inszenierung an der Straßburger Rhein­oper hatte man ob der Bühnenbildner-Generation der Viebrocks fast schon für nicht mehr möglich gehalten. Doch der Schotte zeigt, wie es auch gehen kann, siedelt die Handlung in...

Penner auf der Straße des Lebens

Es sind Stationen, die sich aus der Rückschau zur Reihe fügen. 1983, Komische Oper: Am Schluss von Mussorgskys monumentalem Versuch einer «Gegengeschichtsschreibung» (Ulrich Schreiber) senkt sich ein riesiges Leichentuch über Bühne, Volk und Herrscher. Die DDR liegt in den letzten Zügen. Eine «Zeit der Wirren» scheint antizipiert, ganz wie beim historischen Zaren...

Monteverdi: Die Krönung der Poppea

Barock gleich Pop, diese Formel ist spätestens seit David Aldens Inszenierungen en vogue. Dass neben der Unterhaltungslust tiefe Gedanken von Schuld und Tod den Barockmenschen beherrschten, wird gern außer Acht gelassen. So auch am Staatstheater Braunschweig, wo Andreas Baesler Monteverdis «Krönung der Poppea» inszeniert hat. Denn wo Barock Pop ist, ist Liebe...