Paare, Passanten

Péter Eötvös hat mit «Senza Sangue» ein Vorspiel zu «Herzog Blaubarts Burg» geschrieben, Dmitri Tcherniakov inszeniert das Doppel in Hamburg als Parcours der Leidmotive

Filmmusik. Taucht dieser Begriff in einem Text über neues Musiktheater auf, verheißt er meist nichts Gutes. Als tönende Kulissenschieberei, schallende Konfektion, Klangware aus zweiter oder dritter Hand ist das Genre in der an Adorno geschulten Kulturkritik verpönt. Unter der Fahne des zur Norm erhobenen autonomen, zweckfrei-experimentellen Kunstwerks schrumpft jeder, der (vermeintlich) kinotauglich tickt, zum Arrangeur effektgeil-instrumenteller Machwerke. Das ist die Grundfigur.

Und sie läuft zwischen den Zeilen noch und fast immer mit, wenn zeitgenössischen Komponisten, die für die Bühne schreiben, das Wort «Filmmusik» nachgerufen wird.

So geschah es auch, nachdem Péter Eötvös an der Staatsoper Hamburg seinen knapp 45 Minuten langen Einakter «Senza Sangue» vorgestellt hatte, erstmals so, wie er von Anfang an gedacht war, als gleichsam aus der Erinnerung glim­men­der Vorschein von «Herzog Blaubarts Burg», di­rekt hinüberblendend in dessen hermetisch-rätselhafte Seelendunkelkammer. Ob Eötvös’ Par­titur den sensualistischen Sog, die konstruktive Dichte von Bartóks 1918 in Budapest uraufgeführtem Meisterstück erreicht, sei dahingestellt. Doch fraglos schimmert das  ...

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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann