Bye-bye, Cerha

Giessen | Berg: Lulu

Man kann’s als eine dramaturgische Chance verstehen, dass Alban Berg seine «Lulu» nicht in abgeschlossener Form der Nachwelt hinterließ. Diesem Gedanken ist seit Friedrich Cerhas ingeniöser Rekonstruktion des dritten Akts nur noch selten nachgegangen worden; in Cerhas Version wurde das Werk wohl allzu selbstverständlich während der letzten dreißig Jahre von den Theatern in Besitz genommen – in fragwürdiger Hinwendung zu einer Ästhetik der integralen Operngestalt, fern modernerer Überlegungen zu offener Form und szenischer Fragmentierung.

Diese schon beim Büchner-Projekt «Wozzeck» naheliegenden Tendenzen hatte Berg dort durch allerlei formale Überdetermination konterkariert; in seiner «Lulu»-Arbeit schienen sie (unfreiwillig?) bloßgelegt. Mit zwei gleichsam additiv exponierenden Akten und einem (mithilfe der vorhandenen Orchesterbruchstücke) «beschleunigten» filmisch-farcenhaften Schlussstrudel war «Lulu» vor Cerhas Tat immer wieder eindrucksvoll und plausibel über die Bühnen gegangen.

Neuen Diskussionsstoff bietet eine «Lulu»-Annäherung des (in dieser Spielzeit mit mehreren Trouvaillen aufwartenden) Stadttheaters Gießen. Von Eberhard Kloke, einem der experimentierfreudigsten und ...

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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Hans-Klaus Jungheinrich