«It's all good!»

Die Goldsucher in den Rockies hatten nichts im Kopf als Schnaps, Sex und Schießereien? Von wegen – sie bauten Opernhäuser! In Central City zum Beispiel. Zwar hatte die Stadt zwischenzeitlich weniger Einwohner als das Theater Plätze, und gehandelt wird heute mit Jetons statt Nuggets. Aber Oper gibt’s noch immer. Eine Lektion in Überlebenskunst

Es kann ein Schock sein, hier aus dem Flugzeug zu steigen, wenn man nicht vorbereitet ist. Eben noch bin ich voller Energie über die Gangway gestürmt, jetzt lehne ich an der Wand, nach Luft schnappend, das Herz hämmernd. Die Luft ist dünn in Denver. Sehr dünn. Die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado wird nicht ohne Grund «Mile High City» genannt.



Von Denver nehme ich die Interstate 70 in Richtung Westen, weiter nach oben, in die ersten Ausläufer der Rockies: Es ist eine eindrucksvolle Landschaft, die Hänge dicht bepelzt mit Nadelwald, die Straßen im Winter häufig unpassierbar, die Luft noch dünner. Ich stelle mir vor, wie hier im 19. Jahrhundert raue Kerle voller Abenteuerlust standen und begehrliche Blicke über die Berge schweifen ließen, die Gesichter wettergegerbt, die Augen zu Schlitzen verengt. Einer murmelte: «There’s gold in them thar hills!», und sie nickten einander verschwörerisch zu. Dann zogen sie los, immer der Nase nach, um zu schürfen und zu schaufeln, sobald es irgendwo nach Gold roch. Die meisten hatten wahrscheinlich keine Ahnung, was sie da taten, und wühlten einfach drauflos – Männer ganz nach meinem Geschmack –, und manche hatten Glück.

Als John Gregory ...

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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Reportage, Seite 50
von Christopher Gillett