Zwischen den Welten

Am Ende des Ersten Weltkriegs geboren, in Warschau aufgewachsen, vor den Nazis in die Sowjetunion geflohen, unter Stalin verfolgt, 1996 in Moskau gestorben: Der polnisch-jüdische Komponist Mieczyslaw Weinberg steht im Zentrum des diesjährigen Bregenzer Festspielsommers – mit «Opernwelt» als Medienpartner. Wir haben den britischen Musikhistoriker David Fanning gebeten, Weinbergs Bühnenwerke zu porträtieren. Sofia Gubaidulina und Krzysztof Meyer erinnern an einen zu Unrecht Vergessenen.

Auch wenn es schwer vorstellbar ist: Es gab einmal eine Zeit, in der die Opern Janáceks außerhalb seiner Heimat nur wenig bekannt waren. Für die Opern von Mieczysław Weinberg gilt heute weitestgehend dasselbe. Gleichwohl dürfte sich dies mit den Produktionen von «Die Passagierin» und «Das Porträt» bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen ändern. Weinbergs wichtigstes Bühnenwerk, die Auschwitz-Oper «Die Passagierin», wird noch in diesem Jahr auch in Warschau (Teatr Wielki), 2011 in London (English National Opera) und 2012 in Madrid (Teatro Real) zu sehen sein.

Das auf Gogol basierende «Porträt» wird nach Kaiserslautern (Pfalztheater) übernommen. Weitere Häuser zeigen bereits Interesse.

Laut Werkverzeichnis gibt es sieben Opern von Weinberg. Lässt man eine Operette unberücksichtigt, die lediglich nominell eine Oper ist, sind es sechs; zählt man indes diese sowie eine weitere Operette hinzu, so kommt man auf acht. Zwei dieser Bühnenwerke wurden zu Lebzeiten des Komponisten nie aufgeführt: zum einen die auf den Erfahrungen von Auschwitz basierende «Passagierin» (1967/68), die nach Auffassung von Weinbergs Freund und Mentor Schostakowitsch mit gutem Grund als dessen bedeutendstes Werk ...

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Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Thema, Seite 38
von David Fanning, Sofia Gubaidulina, Krzysztof Meyer

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