Die wahre Freud ist das Leid

Mozart öffnete ihr die Türen der großen Opernhäuser, doch in den letzten Jahren hat sich Soile Isokoski immer stärker auch als Interpretin des großen romantischen Repertoires ­profiliert. Ihre Vorliebe gilt dabei den traurigen, introvertierten, scheiternden Charakteren. Die finnische Sopranistin versteht sich jedoch nicht nur als Opernsängerin, sie ist auch eine leidenschaftliche Kämpferin für das romantische Kunstlied.

Küss’ die Hoand, Frau Kammersängerin…
Ist mir eine Ehre. Obwohl es mich etwas überrascht hat, dass mir diese Ehre ausgerechnet jetzt vom österreichischen Staat verliehen worden ist. Schließlich habe ich in den letzten Jahren nicht mehr so viel in Wien gesungen. Ich bin dort auch nie Ensemblemitglied gewesen. 

Dennoch ist Ihr Name mit vielen Aufsehen erregenden Produktionen der Staatsoper verbunden: mit dem «Lohengrin» in der Regie von Barrie Kosky zum Beispiel oder mit Halévys «La Juive», die Sie gerade erst wieder in Wien gesungen haben.

Ja, und insofern hat die Ehre auch ihre Berechtigung: Lange Zeit über war Wien de facto mein Stammhaus, ich habe dort bislang mehr als 160 Abende auf der Bühne gestanden. Ich verdanke dem Haus sehr viel. Zu Beginn meiner Karriere wurde ich überall als Mozart-Sängerin verpflichtet, doch Ioan Holender hat mich aus dieser Ecke herausgeholt und mir das große italienische und deutsche Repertoire anvertraut: «Bohème», «Turandot», «Otello» oder auch die Agathe im «Freischütz».

 

Und Wagners Elsa, die ja heute meist dramatischer besetzt wird.

Wer sagt denn eigentlich, dass Wagner immer mit Vollgas gesungen werden muss? Sängerinnen wie Lisa della Casa haben ...

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Opernwelt März 2009
Rubrik: Interview, Seite 18
von Jörg Königsdorf

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