... Alter

Mit der Amazonenkönigin kam der Durchbruch: Ihre Penthesilea am Theater Basel katapultierte Tanja Ariane Baumgartner in die erste Reihe der jungen deutschen Mezzosopranistinnen. Ein Erfolg, den sie später unter anderem mit der Amme in der Frankfurter «Frau ohne Schatten» und mit der Geschwitz in Calixto Bieitos Basler «Lulu» wiederholen konnte. Die liebeskranke Gräfin aus Bergs Oper singt Baumgartner jetzt auch in Salzburg. In der Neuproduktion von Vera Nemirova ist sie in der Felsenreitschule an der Seite von Patricia Petibon zu erleben (Premiere am 1. August).

Frau Baumgartner, Sie verkörpern oft Rollen, die normalerweise als ältere Frauen dargestellt werden, die Gaea in Strauss’ «Daphne» zum Beispiel oder die Amme in der «Frau ohne Schatten». Ist das nicht ein seltsames Gefühl, plötzlich so zu altern?

Wenn ich in der Maske sitze, beängstigt mich manchmal dieser Prozess. Das ist, als ob ich im Spiegel mich selbst in zwanzig, dreißig Jahren sehe. Natürlich kann ich bei diesen Figuren nicht aus eigener Erfahrung schöpfen, sondern beobachte eher mein Umfeld und die Leute auf der Straße.

Aber davon abgesehen weiß ich nicht, ob das Alter bei diesen Figuren überhaupt so eine entscheidende Frage ist. Nehmen Sie die Amme – die ist ja keine alte Jungfer, sondern eine Frau, die sich in erotischen Dingen ziemlich gut auskennt. Im Mittelalter wäre so eine vermutlich als Hexe verbrannt worden. Auch stimmlich sollte man für diese Rolle im Vollbesitz seiner Kräfte sein.

Auch die Geschwitz, die Sie jetzt in Salzburg singen, wird ja gern als sentimentale alte Schachtel gezeigt.

Für mich ist sie alterslos – die Geschwitz kann zwischen zwanzig und sechzig jede Zahl von Lebensjahren haben. Dass sie oft reifer dargestellt wird, liegt wohl daran, dass sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Apropos, Seite 71
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Manon», italienisch

Gekommen war man, um Anna Netrebko in ­einer ihrer Paraderollen zu hören – doch das Ereignis der neuen «Manon» des Ro­yal Opera House in London war am Ende nicht die Diva, sondern ihr Chevalier. «Die Geburt eines neuen Stars», «Das sensationellste Debüt seit Langem» bejubelte die englische Presse den jungen Italiener Vittorio Grigolo, der damit wohl den...

Dante lässt grüßen

Puccini mochte es gar nicht, wenn die drei Einakter seines «Trittico» auseinandergerissen und mit Stücken anderer Komponisten gekoppelt wurden. Die Met trieb dieses Spiel zu besonders aparten Kombinationen und spielte jahrelang «Gianni Schicchi» als Aufwärmer vor «Salome». Doch so berechtigt der Hinweis auf die dramaturgische Einheit des «Trittico» ist: Es wächst...

Töte deine Träume

Nur zwei Zitate im Programmheft braucht es, um Susanne Øglænds «Eugen Onegin»-Inszenierung in Weimar zu verstehen: Das erste ist das Wort Oscar Wildes, nach dem «das Leben die Kunst weit mehr nachahmt als die Kunst das Leben». Ergänzend dazu Woody Allens «Das Leben imitiert nicht die Kunst, sondern schlechtes Fernsehen». Womit nicht gesagt sein soll, dass sich die...