Probebühne Paris

John Eliot Gardiner bürstet an der Opéra Comique «Pelléas et Mélisande» gegen den Strich, Joyce DiDonato und Juan Diego Flórez machen sich im Palais Garnier für «La donna del lago» stark

Ist Paris eine Musikstadt? Sicher nicht im Sinne einer Musikmetropole wie Wien, wo man über­all auf die Zeichen einer in Jahrhunderten gewachsenen, weltweit ausstrahlenden Musikkultur trifft. Paris ist einfach zu groß, zu vielgestaltig in seinen Lebensfunktionen, um der Tonkunst den Vortritt einzuräumen. Gleichwohl begegnet der Musikliebhaber dort einer Fülle hochkarätiger Angebote, wie sie einer Weltstadt anstehen.

Dazu zählt auch die Oper.

Seit den Tagen von Hugues Gall und Gerard Mortier überrascht die Opéra National mit den beiden Häusern Opéra Bastille und Palais Garnier durch eine früher nicht gekannte Stetigkeit des Angebots: Mehr als vierhundert Aufführungen in Oper und Ballett pro Saison sind inzwischen die Norm. Der neue Intendant Nicolas Joël kann darauf bauen. Das städtische Théâtre du Châtelet, das einmal ein ernsthafter Konkurrent der Nationaloper war, hat sich überwiegend der musikalischen Unterhaltung zugewandt, Oper erscheint dort nur noch selten auf dem Spielplan. Dafür besinnt sich die Opéra Comique, auch Salle Favart genannt, nach dem Amüsiertaumel unter Jérôme Savary wieder auf die Gattung und Kunstform «Oper». Jérôme Deschamps heißt der neue künstlerische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Im Fokus, Seite 16
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nicht nur Britten

Die größte Überraschung, die der Ausstellungsraum von Aldeburghs «Red House» derzeit zu bieten hat, dürfte ein kleiner vergilbter Zeitungsartikel sein. Er stammt vom Juni 1943 und berichtet von einer Aufführung des «Rigoletto» an Londons Sadler’s Wells Opera mit einem jungen Sänger namens Peter Pears in der Rolle des Herzogs von Mantua. Der damals 33-Jährige sollte...

Klang-Licht-Raum

Eine chinesische Reisbäuerin träumt davon, eines Tages den Kaiser, der das Reich mit brutaler Gewalt beherrscht, öffentlich zu beschämen, indem sie ihn mit Asche überschüttet. Sie setzt, ungeachtet der Proteste ihres Mannes, diesen Traum in die Tat um. Das einzig brennbare Material, das sich in ihrem elenden Haushalt finden lässt, ist ein Buch. Sie besteigt einen...

Musik und Moral

Das Musiktheater der Weimarer Republik ist noch immer für Überraschungen gut. Ulm hat jetzt «Sancta Susanna» ausgegraben, jenes 1921 entstandene Stück des jungen Paul Hindemith, das die beiden zuvor komponierten Einakter «Mörder, Hoffnung der Frauen» und «Das Nusch-Nuschi» zum Triptychon ergänzen und abrunden sollte. Doch das auf ein Dramolett des...