Nach neunundsiebzig Jahren: «Die ägyptische Helena» an der Met

New York, Strauss: Die ägyptische Helena

Zum Kernrepertoire der Met zählt «Die ägyptische Helena» nicht gerade. Man muss bis 1928 zurückgehen, um auf die letzte Aufführung zu stoßen. In der Kritik hagelte es damals Verrisse, und an dieser Reserve hat sich in New York bis heute, da das Stück für Deborah Voigt wieder ausgegraben wurde, nichts geändert. Voigt ist eine Helena, die einem alten Film entstiegen zu sein scheint, ihr Sopran wie geschaffen für diese Strauss’sche Partitur: Die Stimme überstrahlt den symphonischen Orchestersatz, ­üppig in der Höhe, klar und stabil in der Tiefe, geschmeidig bei den Übergängen.

Den Höhepunkt ihrer vokalen Eloquenz setzte Voigt mit einer zarten Rhapsodie aus dem Duett mit Menelas im ersten Akt («Bei jener Nacht»).
Wie oft bei Strauss, hat die Primadonna harte Kon­kurrenz von einem zweiten Sopran – hier in Gestalt von Diana Damrau als ägyptischer Zauberin Aithra. Selbst von Männerproblemen bedrängt, hat Aithra Verständnis für Helenas Ehesorgen. Diana Damrau ließ sich von niemandem auf die Plätze verweisen – Ironie, Groll und Humor der Figur kamen voll zur Geltung: feine lyrische Linien, eine elegante Phrasierung, eine makellose Intonation und eine in allen Nuancen schillernde ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Illusionismus, nein danke

Dass das Liebesleben des nicht nur vor Liebe trunkenen Dichters Hoffmann viele Irrungen und Wirrungen kennt, das wissen wir aus Jacques Offenbachs Oper «Les Contes d’Hoffmann». Schließlich verguckt sich der Titelheld in eine aufziehbare Puppe, in eine (un)bezahlbare Kurtisane und in eine Sängerin, die sich nicht entscheiden kann zwischen ihrer Liebe zum Mann und...

Herzerfrischend frivol

Engel, heißt es, beneideten uns Menschen, weil wir über einen Körper verfügen. Wenn das stimmt, können sie dem Doppelabend am Royal Opera House nur ihren Segen erteilt haben. In Ravels «L’Heure espagnole» wie in Puccinis «Gianni Schicchi» dreht sich alles ums irdische Begehren – auf der Folie von Sex (Ravel) und Geld (Puccini). Dass Sex und Geld als anrüchig...

Editorial

Die «Ring»-Produktion, die Patrice Chéreau und Pierre Boulez den Bayreuther Festspielen zum hundertsten Jubiläum bescherten, ging als Geniestreich in die Geschichte des modernen Musiktheaters ein. Von den Schildern «Verflucht sei dieser ‹Ring›», die 1976  rund ums Festspielhaus getragen wurden, bis zu den eineinhalb Stunden Abschiedsapplaus im Sommer 1980 war es...