Magisches Märchenmysterium

Mannheim, Strauss: Die Frau ohne Schatten

Seit der Wiener Uraufführung 1919 ist «Die Frau ohne Schatten» ein Schmerzenskind des Musiktheaters. Von seinen beiden Autoren maßlos selbstvermessen als «gemeinsames Hauptwerk» geplant, musste das Stück fast zwangsläufig an seiner eigenen Hypertrophie, dem ­literarisch überfrachteten Libretto von Hofmannsthal und der sinfonisch-illustrativen Musik von Strauss, scheitern. Und doch scheint es uns mehr denn je sagen zu wollen, anders ist das gegenwärtig auffällige Interesse an dieser letzten romantischen Oper nicht zu erklären.


Regisseur Gregor Horres und seine Ausstatterin Sandra Meurer haben für ihre Mannheimer Inszenierung einen Schlüssel gefunden, der die kopflastige Symbolik der synkretistischen Märchen- und Zauber­oper ganz der Imaginationskraft der Musik überlässt und das Spiel so einfach wie möglich präsentiert, ohne die verschlungenen Geschicke der beiden ungleichen Paare darum im Mindesten ins Banale abrutschen zu lassen. Sandra Meurers visuell klar strukturierte Szene, eine vom Himmelsrahmen überwölbte quadratische Spielfläche mit einigen wenigen Versatzstücken – Bett, Türsturz, Tisch, Stehpult –, siedelt das Stück in der Entstehungszeit an, auf die auch die Kostüme ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Montierte Zeit

Die letzte Stunde hat geschlagen. Es ist fünf Uhr morgens. Die genaueren Daten aber verweigert Dmitri Tcherniakov in seiner Neuinszenierung von Modest Mussorgskys «Chowanschtschina» an der Bayerischen Staatsoper. Als der russische Jungstar, der in seiner Heimat gleich mehrfach zum «Opernregisseur des Jahres gekürt» wurde, vor anderthalb Jahren an der Berliner...

Erschwerte Bedingungen: Oper in Buenos Aires

Das Problem ist auch in Europa wohlbekannt: Wird ein großes Opernhaus zum Sanierungsfall und vorübergehend dichtgemacht, müssen Ausweichstätten her, die eine Fortführung des Spielbetriebs erlauben. Nun hat dieses Schicksal auch eines der größten Häuser der Welt ereilt: das Teatro Colón in Buenos Aires. Zwar konnten lange überfällige Modernisierungen bei laufendem...

Risiken und Nebenwirkungen

Die Oper birgt mehr Unwägbarkeiten für einen Betrieb als jede andere Kunstform. Die Wahl des Generalmusikdirektors oder der Generalmusikdirektorin ge­hört dabei gewiss zu den am meisten ins Gewicht fallenden Risiken. Das gilt für jedes Haus. Auch Opera Australia weiß davon ein Lied zu singen. Vor vier Jahren gab man voreilig Simone Young den Laufpass und bestimmte...