Monteverdi authentisch?

«Orfeo» unter Paul Hindemith und «Il ritorno d’Ulisse» unter William Christie auf CD und DVD

Die Aufführung von Monteverdis «Orfeo», die unter Paul Hindemiths Leitung am 3. Juni 1954 in Wien stattfand und deren Mitschnitt nun erstmals auf Tonträgern zugänglich ist, hatte für den damals 24-jährigen Nikolaus Harnoncourt, der im Orchester saß, «die Wirkung eines Blitzschlags».

Er war schon damals dabei, ein eigenes Ensemble für Alte Musik aufzubauen (den späteren Concentus Musicus Wien) und konnte dem Dirigenten bei seinem «Versuch einer Rekonstruktion der ersten Aufführung» nicht nur mit Original­­instrumenten aus seiner eigenen Sammlung, sondern auch mit der Vermittlung spezialisier­ter Musiker aus dem Kreis seiner Kollegen bei den Wiener Symphonikern behilflich sein.

Historische Aufführungspraxis ist heute bei Alter Musik eine Selbstverständlichkeit, damals hatte sie etwas geradezu Exotisches. Monteverdi wurde zwar gespielt, aber grundsätzlich in Bearbeitungen, die den Hörgewohnheiten eines am klassischen und romantischen Repertoire orientierten Publikums entgegenkamen. Und die äußerst rudimentäre Form, in der der Komponist seine Partituren hinterlassen hat, ließ dem nachschöpferischen Ehrgeiz der Bearbeiter großen Spielraum. In Italien wurden die Fassungen von Ottorino ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Medien, Seite 32
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Späte Premiere

Ein «Traktat über die heilende Kraft homosexueller Liebe» nannte der Librettist E. M. Foster Benjamin Brittens Oper «Billy Budd». Doch spielte dies in der Rezeptionsgeschichte des Werks kaum eine Rolle. Zum Thema Männerliebe verhielten sich die Engländer, zumal die Vertreter der Mittel- und Oberschicht, lange ambivalent. Gern zitierte man in diesem Zusammenhang...

Lieb’, Leid – und Freud

Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...

Es geht um Ideen

Herr Decker, im Vorwort des neuen Ruhrtriennale-Programmhefts schwärmen Sie von der magischen Atmosphäre der alten Industriearchitektur. Nun denkt man bei Gebläse- und Maschinenhallen erst mal nicht an das Schwerpunktthema des Festivals: den Islam.

Man muss sich vergegenwärtigen, wo diese Hallen stehen. Das Ruhrgebiet ist eine Region, die stark durch Migration...