Goethe, Fellini, Goya

Frankfurt Berlioz: La Damnation de Faust

Opernwelt - Logo

In der zu seinen Lebzeiten niemals szenisch erprobten «Damnation de Faust» komprimierte Berlioz die Handlung von Goethes «Faust I» zum schwarz-romantischen Horrorspektakel. Harry Kupfer setzte in seiner Frankfurter Neuinszenierung noch eins drauf und arrangierte die Szenencollage als Abfolge grotesker theatralischer Monstrositäten. Kupfer griff dabei tief in den Fundus seiner aus dem akribischen Realismus Walter Felsensteins heraus-, aber ins Bizarr-Hyperrealistische weiterentwickelten Bühnenfantasie.

Pate standen ihm dabei Fellini, aber auch die phantasmagorische, extreme Bildwelt Goyas, des Goethe-Zeitgenossen. Der Abend geriet so zu einem virtuos-temporeichen Totentanz. In seinen neueren Arbeiten (nach längerer Opernabstinenz) zeigt sich Kupfers Handschrift wieder ganz frisch, ohne klappernde Routine. Unerschöpfliche Bildeinfälle also diesmal, indes in aller Hektik auch angenehme Ruhezonen. Ein kühner interpretatorischer Durchstich war in diesem Falle weniger gefragt als beim Frankfurter «Palestrina» vom Vorjahr.

Hans Schavernochs atemberaubendes Bühnenbild exponierte das Thema auf Anhieb: die Welt, ein absurdes Theater. Zum Schauplatz wird das Auditorium eines altmodischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Hans-Klaus Jungheinrich

Vergriffen
Weitere Beiträge
Carmen und ihre Schwestern

Vorweg: Lassen Sie sich durch das Cover-Foto nicht irre machen! Die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca ist anders und besser als ihre PR, die sie offenbar als erotische Ikone für eine männliche Zielgruppe 70+ vermarkten will. Ihr neues Album, das ihre viel gelobte Carmen ins Umfeld spanischer und von Zigeunermelodik inspirierter Musik stellt, weist sie als...

Nicht nur Britten

Die größte Überraschung, die der Ausstellungsraum von Aldeburghs «Red House» derzeit zu bieten hat, dürfte ein kleiner vergilbter Zeitungsartikel sein. Er stammt vom Juni 1943 und berichtet von einer Aufführung des «Rigoletto» an Londons Sadler’s Wells Opera mit einem jungen Sänger namens Peter Pears in der Rolle des Herzogs von Mantua. Der damals 33-Jährige sollte...

Nummernrevue

Es sieht ganz so aus, als ob Unsuk Chins «Alice» zu den wenigen zeitgenössischen Opern gehört, denen nach der ersten Aufführungsserie ein Weiterleben vergönnt ist: Drei Jahre nach der Uraufführung an der bayerischen Staatsoper wagt sich jetzt Genfs Grand Théâtre an das Stück, 2011 will Bielefeld folgen. Verdient hat «Alice» das allemal: In seiner spielerischen...