Prüfung mit Strauss

Innsbruck: Strauss: Arabella

Opernwelt - Logo

«Selbstverantwortlich» sei sie, «mutig» und «ein wenig versehrt von Zynismus und Resignation», so analysiert Hugo von Hofmannsthal seine Titelheldin. Außerdem habe Arabella «zu tief in gewisse Lebensdinge hineingesehen». Je länger man Juliane Banse auf der Innsbrucker Bühne betrachtet, desto größer wird die Gewissheit: Zumindest der Textdichter habe in ihr seine Wunschmaid erkannt.

Und Richard Strauss?

Der hätte womöglich darüber gestaunt, wie viel Mühe die Arabella-Partie bereitet und wie schwer es sein kann, die Stimme in heiklen Lagen frei, glanzvoll und ungestaut fluten zu lassen. Auch davon kündet dieses Debüt am Tiroler Landestheater. Wie schon bei Tschaikowskys Tatjana wählte Juliane Banse das 800-Plätze-Haus, um sich – ermutigt und beschützt von ihrer Mentorin Brigitte Fassbaender – zu erproben.

Die Ilia- und Pamina-Zeiten liegen endgültig hinter ihr. Doch auf dem Weg zu dramatischeren Aufgaben wurde die Hürde Arabella (noch) nicht überwunden. Gewiss: Wer mit solcher Ausstrahlung gesegnet ist,  wer jungmädchenhafte Sorglosigkeit mit wissender Reife verbinden und damit quasi Sophie und Marschallin des «Rosen-
kavalier» in einer Person verkörpern kann, der liegt dicht an der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Latin Lover

Sie ist noch immer weit verbreitet, die Vorstellung von Don Giovanni als dem genialischen, im Gefühl seiner Omnipotenz gegen göttliches Gesetz aufbegehrenden Verführer: ein Rollenbild, das nicht zuletzt von Ausnahmesängern wie Cesare Siepi und George London geprägt wurde. Die junge Regisseurin Andrea Moses sieht das ganz anders. In ihrer Bremer Neuinszenierung von...

Wahrhaftigkeit ist alles

Es war keine schlechte Überraschung: 2004 outete sich Edita Gruberova in Donizettis «Roberto Devereux» als Darstellerin. Das Ereignis fand an der Bayerischen Staatsoper statt. Fünf Jahre später folgte dort mit ihrem Lieblingsregisseur Christof Loy «Lucrezia Borgia», und die Schraube ist quasi noch weiter gedreht: Fast nichts mehr «stört» nun die von allem Zierrat...

Gift, Galle und Flowerpower

Müßig zu spekulieren, wie sich Händels Schaffen entwickelt hätte, wenn er nach dem Erfolg seiner «Agrippina» in Italien geblieben wäre. Eines allerdings ist sicher: So bissige Töne wie in der 1709 entstandenen Komödie über den Cäsarenhof erlaubte er sich später niemals wieder – schon allein, weil sich in seiner neuen britischen Heimat alles verbot, was als Angriff...