Doppelt zerrissen

Mannheim, Schumann: Das Paradies und die Peri

«Von fremden Ländern und Menschen» erzählt Robert Schumann in einer seiner «Kinderszenen», Harald Braun intoniert sie an einem Flügel, in dem kurz darauf ein «Flügelwesen» zu verschwinden droht: eine stimmige Art und Weise, einen Abend lang ein Stück Sehnsucht wie «Das Paradies und die Peri» so in der Schwebe zu halten, als gäbe es zwischen Himmel und Erde Dinge, von denen sich eigentlich nur träumen lässt.

Zwischen 1841 und 1843 hat Robert Schumann das szenische Oratorium nach einer Dichtung von Thomas Moore komponiert, und einige Zeit schien seine «größeste Arbeit», alle Genres überwindend, eine «neue Gattung Musik» zu begründen. Auf jeden Fall war sie erfolgreicher als all  seine anderen Werke.
Mag sein, dass einen Grenzgänger wie Joachim Schlömer gerade das scheinbar Unmögliche an dem Stück reizt. Fakt jedenfalls ist, dass sich zu Anfang der Aufführung ein dunkler Engel auf die Erde niederlässt, auf der sich das Biedermeier breitmacht, während sich gleichzeitig ein offenbar gefallener Engel, eine persische Peri eben, vielleicht auch Schumann selbst, mit aller Macht um eine Himmelfahrt bemüht: ein gegenläufiges Bewegungsmodell, das nicht als einziges den inszenierenden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Spielerische Fülle, suggestive Leere

Wenn Text und Musik einer Opernpartitur die Grundlage aller Überlegungen für eine Inszenierung abgeben, wie Regisseure gern betonen, ohne immer danach zu handeln, dann gilt für die Werke Richard Wagners noch etwas anderes. Das Wesen des Musiktheaters, der Kern, war für ihn das Drama, «das wirklich vor unseren Augen sich bewegende Drama», das, was in Bildern einer...

Barock, Jazz, Avantgarde

Seit in den amerikanischen Südstaaten die ersten field hollers auftauchten und schwarze Arbeiter sich mit improvisierten work songs den Frust von der Seele sangen, sind Blues und Jazz von der Musikweltkarte nicht mehr wegzudenken. Ein Pionier der neuen Gattung, der Ragtime-Erfinder Scott Joplin, schrieb bereits 1915 eine dreiaktige Oper («Treemonisha»), die ihre...

Vor der Zeit

Der Werkkatalog Joseph Haydns in der Enzyklopädie «Die Musik in Geschichte und Gegenwart» weist – zwischen 1761 und 1791 – insgesamt 25 Beiträge zum Musiktheater auf: 19 Opern in italienischer Sprache und sechs Werke in deutscher Sprache, die der Gattung des Singspiels oder der am Hofe von Eszterhaza gepflegten Marionettenoper angehören. Bei zehn dieser Opern ist...