Spanischer Verismo

Tomás Bretóns «La Dolores» am Teatro Real Madrid

Opernwelt - Logo

Vor einigen Monaten präsentierte das Festival Internacional de Granada eine Produktion von Tomás Bretóns Zarzuela «La verbena de la Paloma» (siehe OW 9-10/2004). Jetzt wurde mit dessen opulentester Oper «La Dolores» die neue Musiktheatersaison des Teatro Real er­öffnet. Bei der Urauffüh­rung des Werks am 16. März 1895 im Teatro de la Zarzuela hatte das hochdramatische und von besonderer melodischer Schönheit geprägte Stück enormen Erfolg.

Bretón verbindet darin die wichtigsten europä­ischen Tendenzen, vom Wagner’schen Musikdrama bis zum italienischen Verismo, und auch die landestypische Färbung kommt nicht zu kurz.
«La Dolores» ist der Aufbruch zu ­einer neuen Gattung. Bretón lässt das romantische Melodrama hinter sich, wie es noch in seinen frühen Werken präsent ist, und wendet sich einem subtilen Ve­rismo zu. Ein Großteil der Neuerung, welche dem Stück im Übrigen bereits nach der Uraufführung breite internationale Anerkennung verschafft hatte, liegt in der Wahl des Themas begründet. Das ­Libretto geht auf ein 1892 uraufgeführtes Theaterstück von José Feliú y Codina zurück, ein Landarbeiterdrama, das in einer Welt verzehrender Leidenschaften angesiedelt war und somit das aus dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Rafael Banús,Übersetzung: Franz Anton Cramer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gespensterstunde

Die Unterzeile, die bei der jüngsten Mannheimer Opernproduktion dem Originaltitel «Fidelio» beigegeben war, ließ aufhorchen. Sie lautete: «Beethoven op. 72 (1814) bei der NBC New York (1944) Toscanini Reminiszenz 2004». Ein klar verklausuliertes Signal, dass hier keine herkömmliche Auseinandersetzung mit einer klassischen Vorlage geplant war.
Bei seiner ersten...

Symbole über Symbole

Es ist kalt im Staate Allemonde: Erstarrt und schneebedeckt sind die Natur und die grau-schwarz gesprenkelten Gemäuer, kalt und leblos sind die Seelen. Die Erstarrung zeigt sich in den Kostümen: Je älter die Figur, umso ähnlicher wird sie den Mauern. Stellvertretend für die zu echter Kommunikation unfähigen Kreaturen wird mit Puppen, Doppelgängern und...

Zandonai: I cavalieri di Ekebú

Riccardo Zandonai stammte aus dem gebirgigen Trentino, was vielleicht seine Vorliebe für das frostige Sujet der «Cavalieri di Ekebú» erklären hilft. Selma ­Lagerlöfs schwedischer Nationalroman «Gösta Berling» erhielt seine Vertonung im Geiste des Verismo, jedoch in den überwältigenden Sphärenklängen des italienischen Expressionisten, der bereits mit dem Melodram...