Sanfte Enttäuschung

Orfeo präsentiert «Eugen Onegin» als Wiener Staatsoper unter Seiji Ozawa

Der ultimative «Eugen Onegin» ist dieser Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper nicht, er hält lediglich ein regionales Ereignis fest: die mit berühmten Stimmen besetzte erste Wiener Aufführung der Oper in der russischen Originalsprache.
Das Unternehmen krankt schon vom Pult aus. Seiji Ozawa sucht das, was er für «russische Seele» hält, durch lähmend langsame Tempi und eine Tendenz zum Weichzeichnen einzufangen. An manchen Stellen, etwa im Dialog vor der Briefszene, kommt das musikalische Geschehen dabei fast zum Stillstand.

Wo Dramatik angesagt ist, etwa vor der abschließenden Aussprache Tatjanas mit Onegin, setzt der Dirigent auf einen pauschal massiven Klang. Zwischen diesen Polen überwiegt orchestrale Routine.
Wer 1998 Mirella Frenis triumphales Ber­liner Comeback als Tatjana erlebt hat, wird von ihrer Wiener Leistung, zehn Jahre frü­her, möglicherweise etwas enttäuscht sein. Zwar ist auch hier die Klarheit und Strahlkraft ihrer jugendlich gebliebenen Stimme zu bewundern, es gibt wunderschöne Phrasierungen und berückende Piani, aber insgesamt bleibt die Darstellung der Rolle etwas kühl und unpersönlich.
Ihr Umfeld ist trotz prominenter Namen nur bedingt authentisch. Rohangiz Yachmi ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Platten, Seite 56
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Panischer Stillstand

Eine prominente Auszeichnung in Deutschlands Medienwelt hatte Berlin in den letzten Jahren sicher: Bei der jähr­lichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» bekam die Hauptstadt der Republik regelmäßig den Titel «Ärgernis des Jahres», die rote Laterne der Branche, zugesprochen. Mit dem, was auf den Bühnen passierte, hatte das meist nur wenig zu tun, umso mehr jedoch mit...

Oratorium in Blau

Von allen Werken Wagners bereitet der einst so populäre «Lohengrin» heute die größten Schwierigkeiten. Der Dichter-Komponist hat hier ein auseinander strebendes Bündel an Motiven – Liebesutopie, Künstlerdrama, politische Parabel, Mysterium über die Zweideutigkeit des Heiligen – zum Weltanschauungstheater zusammengepresst. Und der ideologische Missbrauch, bis hin...

Europa - nicht entführt, sondern zurückgekehrt

Alle Jahre wieder, am 7. Dezember, dem Tag des Mailänder Stadtheiligen Ambrosius, wird die Saison des Teatro alla Scala feierlich eröffnet. Die «Inaugurazione» ist – auch wenn der Saisonbeginn in den letzten Jahren durch Aufführungen im Herbst, die noch der jeweils vorangegangenen Spielzeit zugeordnet werden, etwas verwischt wird – ein gesellschaft­liches Ereignis...