Offenbach: Les Contes d´Hoffmann
Wer die Repertoireoper à la Wien oder München schätzt und das Stagione-Prinzip verabscheut, braucht sich nicht länger aufzuregen: Wenn er an einem Stagione-Opernhaus eine Vorstellungsserie versäumt, kann er in der Regel die begehrte Aufführung alsbald an einem anderen Operntheater nachsitzen. Geldknappheit und Ressourcenschwund zwingen die europäischen Opernbühnen immer mehr zu Koproduktionen. Wer «Hoffmanns Erzählungen» in der Inszenierung Laurent Pellys vor zwei Jahren nicht in Lausanne erleben konnte, fand jetzt an der Opéra Marseille Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen.
Natürlich spielt ein anderes Orchester, auch der Dirigent und die Sänger, bis auf eine Ausnahme, heißen anders. Also doch so etwas wie eine neue Einstudierung, wenn auch keine Neuinszenierung: Laurent Pellys szenische Interpretation in den mobilen Bühnenräumen von Chantal Thomas gewinnt auch in Marseille die Magie und räumliche Phantastik, die Assoziationen an Stummfilmkunstwerke à la Murnau hervorruft (siehe auch OW 4/2003). Dem derzeit vielbeschäftigten (zu beschäftigten?) Laurent Pelly ist mit seiner «Hoffmann»-Darstellung ohne Einschränkungen eine suggestive, in der Optik moderne Inszenierung gelungen, ...
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s ist kalt in Frankfurt. Knappe zehn Minuten nur dauert der Weg vom Hauptbahnhof bis zum Schauspielhaus: weißlicher Atemhauch aus Trinkerkehlen, blinkende Sex-Shop-Leuchtschriften, misstrauisch dreinblickende Passanten und gierige Krähen, die sich um halbverzehrte Döner balgen. Gefrorene Herzen, einsames Elend der Heruntergekommenen. Und vorbeieilende Banker dazu,...
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden haben Sie gerade Ihr Rollendebüt als Janáˇceks Katja Kabanova gegeben – mit einem Regisseur, Michael Thalheimer, der vorher noch nie eine Oper inszeniert hat. Wie verliefen die Proben?
Sehr ungewöhnlich. Spannend. Thalheimer hat eine neue Form des Ausdrucks gesucht. Neu zumindest für die Oper. Es ist eine ganz eigene...
«Tristan» ist in Italien, neben dem üblichen Verdi-Donizetti-Bellini-Rossini-Repertoire, ein eher selten gespieltes Werk. In Neapel war er zuletzt 1973 zu hören – Operngänger unter fünfzig, die nicht reisen, hatten ihn also noch nie auf der Bühne gesehen. Aber selbst Heuler wie «Traviata», «Aida» oder der «Barbier von Sevilla» müssen, bei höchstens drei oder vier...
