Oratorium in Blau
Von allen Werken Wagners bereitet der einst so populäre «Lohengrin» heute die größten Schwierigkeiten. Der Dichter-Komponist hat hier ein auseinander strebendes Bündel an Motiven – Liebesutopie, Künstlerdrama, politische Parabel, Mysterium über die Zweideutigkeit des Heiligen – zum Weltanschauungstheater zusammengepresst.
Und der ideologische Missbrauch, bis hin zur Gleichsetzung des Schwanenritters mit dem Gründer des Dritten Reiches, drohte das Stück vollends zu sprengen – umso mehr, als er sich ja nicht nur des Stoffs, sondern auch der oftmals arg banal blechbläserklirrenden Musik mit ihren Aufmärschen, Fanfaren, Volksreden und Sieg-Heil-Rufen bedienen konnte.
Wie einst Wieland Wagner hat Peter Beat Wyrsch um die Zwiespältigkeit des Ganzen einen Bogen gemacht und versucht, sich durch einen Befreiungsschlag aus dem verminten Terrain zwischen Utopie und Ideologie auf die Seite des Rein-Menschlichen zu schlagen. Aber die Zeiten sind nicht mehr so, dass wir an das Märchen vom autonomen, freien Menschen Lohengrin noch glauben können. Und Wyrsch ist auch kein Wieland Wagner, der die formale Stilisierung durch gestische Expressivität aufzubrechen wüsste. Zu allem Unglück hat sich ...
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