Sternstunden eines Ensembletheaters
Die Deutsche Oper am Rhein ist mit Recht stolz auf ihre Tradition als Ensembletheater. Viele ihrer Sänger haben internationale Karrieren gemacht und sind trotzdem ihrem Stammhaus treu geblieben. Nicht alle freilich konnten sich ausreichend auf Tonträgern verewigen. Deshalb waren die Vorstellungen in Düsseldorf wie in Duisburg für «Piraten» von jeher beliebte Objekte der Begierde. Der jetzige Intendant Tobias Richter hat die Bedürfnisse der Fans richtig erkannt und beantwortet die illegalen Veröffentlichungen statt mit dem Justitiar mit eigenen Initiativen.
Zwei hauseigene Publikationen italienischer Opern sind anzuzeigen und eine auszugsweise Gegenüberstellung zweier «Elektra»-Aufführungen bei Orfeo.
Wer am 22. Januar 1978 die Düsseldorfer Premiere des «Trovatore» miterleben konnte, hat sein Geld bestimmt nicht zum Fenster hinausgeworfen. Das war eine Verdi-Vorstellung comme il faut, musikalisch knisternd von der ersten bis zur letzten Minute und wesentlich spannender als die viel prominenter besetzten Karajan-Aufführungen aus der gleichen Zeit. In Alberto Eredes Dirigat verbindet sich gute alte italienische Kapellmeistertradition mit einem hohen Maß an Spontaneität, und ...
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Etwas linkisch steht der junge Mann vor den zumeist älteren Herren, die ihn stumm und kühl anblicken. Es wäre übertrieben, würde man behaupten: Sie mauern. Aber skeptisch sind sie schon. Er redet viel und keineswegs auf den Punkt. Seine Witze, die auflockern wollen, verpuffen, weil ihre Pointen nicht sitzen. Nein, Carlos Kleiber hatte es nicht leicht, als er 1970...
Das einzig Aufregende an der Stuttgarter Neuinszenierung von Verdis «Otello» hat Hausherr Klaus Zehelein im Programmheft versteckt: seine in Zusammenarbeit mit dem Dramaturgiehospitanten Oliver Müller geschriebene Deutung des Stücks, die Boitos Libretto und Verdis Musik als liturgisches Zeichensystem entziffert, in dem ein symbolisches Geschehen festgeschrieben...
«Fünftklassig» – so wurde Ottorino Respighi durch seinen Enkelschüler György Ligeti eingestuft. Es darf bezweifelt werden, ob Ligetis stupendes musikhistorisches Bewusstsein hier mehr als nur die römische Orchestertrilogie parat hatte. Denn angesichts der jetzt erstmals eingespielten Oper «La Campana sommersa» (1923-1927) bedarf das gängige Respighi-Bild dringend...
