Adams: The Death of Klinghoffer

Wuppertal

John Adams’ «The Death of Klinghoffer» fand in Deutschland bislang nur einmal Beachtung – in Nürnberg (siehe OW 6/97). Das Kompositionsprinzip der Minimal Music scheint auf den ersten Blick freilich auch nicht sonderlich entwicklungsfähig. Doch gerade in «Klinghoffer» geht die Partitur weit über den einlullenden Sound anderer Werke dieses Genres hinaus.
«The Death of Klinghoffer» war ursprünglich als Oratorium geplant, was alleine den umfangreichen Choreinschüben zwischen den Handlungsbildern abzulesen ist.

In der Tat lässt sich die Achille-Lauro-Affäre von 1985 (diese Schiffs­okkupation wurde als besonders spektakuläres Ereignis innerhalb der Geschichte palästinensischen Terrors gewertet) auf der Bühne simpel realistisch kaum vorstellen. Der seinerzeitige Versuch einer (von PLO-Chef Arafat übrigens nicht gedeckten) Gruppe von Kidnappern, Gefangene aus israelischen Gefängnissen freizupressen, scheiterte. Doch die Erschießung des an einen Rollstuhl gefesselten Leon Klinghoffer, Amerikaner jüdischer Herkunft, führte zu weltweiter Empörung.
In der Oper von Adams geht es nicht um die minutiöse Darstellung einer Katastrophe, sondern um Reflexion. Zentrale Szene ist ein Dialog zwischen dem ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 60
von Matthias Norquet

Vergriffen
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