Wagner: Siegfried

Detmold, Wagner: Siegfried

Fast vollendet ist der 2006 begonnene Detmolder «Ring»: Ab der nächsten Spielzeit soll die Tetralogie im Zusammenhang gezeigt werden – für einen so kleinen Theaterbetrieb die wohl größte denkbare Herausforderung. Möglich wurde das nicht zuletzt durch den neuen vergrößerten  Orchestergraben, der 2008 eingeweiht wurde. Für «Siegfried» konnte GMD Erich Wächter deshalb über rund 60 Orchestermusiker verfügen, die einen überraschend warmen, vollen und ausgeglichenen Klang produzierten.

Gewiss, es fehlte hie und da an Politur, die Intonation der Streicher war nicht immer über jeden Zweifel erhaben – im Ganzen aber wurde eine dynamisch und klangfarblich reich schattierte Aufführung geboten, die auch die Sänger optimal trug: So war auch für ein hohes Maß an Textverständlichkeit gesorgt.
Der junge hauseigene Tenor Johannes Harten als Siegfried nutzte die Gelegenheit zu feinen, in dieser Partie ganz ungewohnten Lyrismen. Andererseits stieß er unüberhörbar an seine physischen Grenzen: Einzelne Töne in der Mittellage brachen weg, auch die metallisch glänzenden, heldentenoralen Spitzentöne wurden sichtlich mit Anstrengung erreicht. Sabine Hogrefe (Brünnhilde) verfügt über eine große, dunkel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nackte Wahrheit

Nachträgliche Millionenkürzungen des aktuellen Etats, die politisch motivierte Drohung, eine kommissarische Verwaltung zu installieren (mit Streikwarnungen aus allen Gewerken): In die gerade erst angebrochene Morgenröte der römischen Oper haben sich schon wieder düstere Wolken geschoben. Gerade ist dort die zweite Doppelpremiere der Spielzeit «in scena» gegangen....

Die Hoffnung stirbt ­zuletzt

Es ist eine makabre, für empathische Zuschauer schwer erträgliche Situation. Und doch besitzt sie musiktheatrale Energie, wie sie nur selten aus einer historischen Handlung kommt: In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Betäubungsmittel verboten, wenn die Patienten nicht bei den Operationen starben, so an der primitiven Anästhesie. Doktor Eisenbart,...

Britten: The Turn of the Screw

Mit Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw» tun sich gerade deutsche Theater schwer: Statt die Geschichte in dem absichtsvollen Schwebezustand zwischen Wahn und Realität zu belassen, der schon die novellistische Vorlage von Henry James auszeichnet, nehmen die meisten Inszenierungen des 1954 uraufgeführten Werks eindeutige Schuldzuweisungen vor: Entweder sind...