Eötvös: Le Balcon
«Le Balcon», beschwor Jean Genet anlässlich der Uraufführung seines Schauspiels den Regisseur Roger Blin, solle nicht als Satire gespielt werden. Denn nicht literarische Absteige ist das Bordell der Madame Irma, sondern Großes Welttheater in Form einer «Verherrlichung der Erscheinung und der Spiegelung» (Genet).
Exakt dies hatte Péter Eötvös bei seiner Umformung des Stücks zum Musiktheater zu realisieren gesucht: ein witziges und zugleich seriöses Spiel mit Reflexionen der Unterhaltungsmusik des abgelaufenen Jahrhunderts, Jazz, Zirkus, Varieté.
Teatrum mundi als Cartoon quasi. Als «musikalische Schaumschlägerei» war dies von manchem Rezensenten bei der Uraufführung 2002 in Aix missverstanden worden. Nach der Freiburger Produktion von vor zwei Jahren vermochte nun auch die ungarische Erstaufführung (im originalen Französisch) in Budapest das Bild einigermaßen zu korrigieren. Dabei erwies der Komponist sich als vorzüglicher Advokat seiner selbst; das Symphonieorchester der Stadt Miskolc agierte unter seiner Leitung mit Verve und trockenem Witz.
Doch wie in Aix blieb auch hier die Szene hinter der Musik zurück. Die Inszenierung von Róbert Alföldi führte das Stück auf der sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit der «Zauberflöte», so eine seit der Uraufführung von Mozarts opus ultimum 1791 in Wien allgegenwärtige Intendanten-Weisheit, liegt man immer richtig. Egal, wie Emanuel Schikaneders krause Kreuzung aus Zaubermärchen und Maschinentheater, volkstümlicher Komödie und Freimaurer-Mysterium in Szene gesetzt und die musikalische Kontrastdramaturgie zur Geltung gebracht...
Es ist wohl nicht nur Zufall, sondern auch die Frucht des Ehrgeizes ambitionierter Editoren: Nachdem Jacques Offenbachs romantische Oper «Les Fées du Rhin» über einhundertvierzig Jahre dem Vergessen anheim gefallen war, folgte jetzt der konzertanten Wiederentdeckung vor drei Jahren in Montpellier kurz nach der zweiten und eigentlichen (weil vollständigen)...
Sie sind der Schrecken jedes Kostümbildners: Die textile Variationsbreite in Francis Poulencs «Gespräche der Karmeliterinnen» beschränkt sich in der Regel auf den Zuschnitt des Nonnenhabits. Dass ausgerechnet am Schweriner Theater an dieser Werkkonvention gerüttelt werden würde, war kaum zu erwarten: Angesichts einer nach wie vor prekären finanziellen Zukunft...
