«Weißt du, was du sah’st?»

Überlegungen, Erläuterungen, Assoziationen zum Bayreuther «Parsifal»-Parcours

Die Kunst ist bestimmt zu beunruhigen; die Wissenschaft macht ­sicher», formulierte einst Georges Braque im Hinblick auf die kubistische Malerei. Ähnliches gilt auch für die Erläuterung eines Theatererlebnisses: Während die Versprachlichung etwas rational sicherstellen kann, ist die eigentliche Erfahrung eine sinnliche Beunruhigung.

Was können wir – Kunst Schaffende und Kunst Rezipierende – tun, damit diese Beunruhigung konstruktiv irritiert und nicht nur verstört? Während man bei einer Bildbetrachtung oder Textlektüre Tempo und Unterbrechungen bestimmen kann, ist bei einer Theatervorstellung und – zeitlich noch präziser – bei einer Opernaufführung der Rhythmus vorgegeben: Es gibt keinen metaphorischen Pausenknopf, keine Zeitlupenwiederholung. Wenn ich im Folgenden in Beschreibungen und Erklärungen einige Sinnbezüge herstelle, so im Bewusstsein, dass diese lediglich wie Trabanten um das Zentrum erlebter Sinnlichkeit kreisen. Ästhetik ist schließlich keine rationale Manifestation von Sinn. Seit Stefan Herheims Diplominszenierung (vor zehn Jahren in Hamburg) pendelt jede unserer Regiearbeiten zwischen sicherstellender Analyse und sinnlicher Beunruhigung, schreibt sich in Adornos ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2009
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 18
von Alexander Meier-Dörzenbach

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Entweder man hat’s oder man hat’s nicht»

Herr van Dam, 2010 werden Sie sich nach einem halben Jahrhundert von der Opernbühne verabschieden. Wollten Sie eigentlich jemals etwas anderes werden als Sänger?
Nie, für mich war dieser Weg immer selbstverständlich. Das hat sicher damit zu tun, dass ich schon als Kind aufgetreten bin – ich war immer Solist. Ein Freund meiner Eltern brachte mich zu einem...

«Wir wollen die Nummer eins werden»

Musiker, vor allem Kammermusiker, behaupten gern, sie wüssten bereits nach wenigen Takten der ersten gemeinsamen Probe, ob die Chemie zwischen ihnen stimmt. Wie ist das zwischen
einem Intendanten und einem Dirigenten?
Markus Stenz: Es ist vielleicht etwas kurios, aber Katharina Thalbach, die wir beide gut kennen und schätzen, hat von Anfang an geradezu rührend...

«Hier willst du arbeiten»

Butterfly packt es heute einfach nicht. Dass sie erkältungshalber bei der Klavierhauptprobe keinen Ton singt, na gut. Aber dass sie auch noch alles vergessen würde, was sie in den szenischen Proben eigentlich schon ganz gut draufhatte, damit hatte keiner gerechnet. Sichtlich nervös verfolgt Jetske Mijnssen vom Regiepult in den Zuschauerreihen des Basler Theaters...