Am Klavier geweint
Il grande cacciatore. Irgendwie erinnert die stete Jagd Giacomo Puccinis (der im Übrigen auch echtes Wild mit großer Begeisterung erlegte) nach Frauenliebe an Max Frischs Schauspiel «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie», in dem der Titelheld an der Einsicht reift, wirkliche Erfüllung im realen Leben nicht finden zu können, und sich deswegen in die Geometrie flüchtet, wo alle Parameter stimmen.
Puccini flüchtete sich in die Kunst, in seine Opern, die ganz reales Erleben bescherten.
Der Tod Mimìs etwa soll ihn zutiefst berührt haben: «Tränen verdunkeln sein Auge, er weint, über sein Klavier gebeugt, an dem ihre letzten melodischen Laute entstanden, und bei dieser Szene des Abschieds vom Leben nahm er wohl auch den Hut vom Kopf», berichtete der Musikschriftsteller Ernst Decsey in einem Gedenkartikel zum zehnten Todestag des Komponisten (die Erwähnung des Huts spielt dabei auf Puccinis Eigenheit an, den Kopfschutz ansonsten selbst beim Komponieren am Klavier aufzubehalten).
Solch heftige Emotion spiegelt sich natürlich in Puccinis Frauenfiguren, weswegen manche Interpretin sich bemüßigt fühlt, Hysterie gewissermaßen als permanentes Kostüm vorzuführen – was wiederum den professionell ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer zwischen München und Zürich Oper erleben möchte und bislang in Bregenz Station machte, kommt künftig am kleinen St. Gallen nicht vorbei: In der Ostschweiz finden seit nunmehr vier Jahren die St. Galler Festspiele statt, die ihren Kinderschuhen längst entwachsen sind. Einen einmaligen Schauplatz besitzt das 14-tägige Festival in dem Klosterhof vor der St. Galler...
Nun öffne sich der Himmel, und ihrem Sehnen erstrahle das Licht der Ewigkeit», schwärmt Hans Castorp, als er einer Grammophonplatte mit dem Finalduett aus Verdis «Aida» lauscht. Was Thomas Mann seinem «Zauberberg»-Lehrling vor 85 Jahren in den Mund legte, hat der britische Regie-Routinier Graham Vick auf der Bregenzer Seebühne nun wörtlich ins Bild gesetzt: In...
Für Tschaikowskys Kurzoper «Jolanthe» waren Rolando Villazón und Anna Netrebko im Festspielhaus Baden-Baden wieder einmal als Traumpaar gebucht, ehe der mexikanische Tenor im Februar seinen Auftritt wegen akuter Stimmbandprobleme absagte. Glücklich ist das Publikum nach der glanzvollen Eröffnung der Sommerfestspiele trotzdem geworden. Denn Anna Netrebko setzt nach...
