An der Baumgrenze
Während der ersten Takte seiner Canzonetta schnüffelt Don Giovanni an einer langstieligen roten Rose, trägt sie ins Parkett und baut sich vor einer älteren Dame in der ersten Reihe auf. Ihr ist der Anfang der ersten Strophe gewidmet. Während das Publikum hinten zu glucksen beginnt und der plötzlich Umworbenen Röte ins Gesicht steigt, ist der große Verführer schon in der nächsten Reihe, zieht einer breit gebauten Mademoiselle besten Alters das Sommerpelzchen von der Schulter und riecht daran.
Dazu stöhnt er so lüstern durch die Nase, dass weibliche Stimmen von den umliegenden Plätzen in Entzückensschreie ausbrechen. Die zweite Strophe reicht noch für den Kniefall vor einer alleinsitzenden Asiatin, dann wirft er die Rose verachtungsvoll in die Menge und entschwindet, bevor der Applaus einsetzen kann.
Bryn Terfel ist dieser Don Giovanni – auch ohne Kostüm und Maske. Ein Hüne von Gestalt, dessen Pianissimi sich zärtlich ins Ohr schmeicheln. Eine Wotanstimme, die unforciert fließt. Ein Kraftpaket als Clown. Ein Clown als Dämon. Niemand weiß, warum der Bass-Bariton aus Wales jetzt seinen letzten Don Giovanni gesungen hat. Eigentlich, sollte man meinen, ist Mozart doch (auch) für ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nur alle fünf Jahre findet der 1984 ins Leben gerufene und nach der Sängerin und Gesangspädagogin Mirjam Herlin (1911-2006) benannte Gesangswettbewerb in Helsinki statt. Er genießt internationales Ansehen und kann bereits auf eine stolze Siegerliste zurückblicken, in der sich Namen wie Vladimir Chernov, Olaf Bär, Andrea Rost, René Pape und Elina Garanca finden. Die...
Frau Johansson, die «Frau ohne Schatten» berührt ein Thema, das für jede Sängerin heikel ist: das Kinderkriegen. War das für Sie persönlich auch ein Thema?
Ach, zum Kinderkriegen hatte ich während meiner ganzen Karriere niemals Lust. Ich habe mich da an den Spruch meiner Kollegin Birgit Nilsson gehalten «Man kann nicht beides: Mehl im Mund haben und blasen.»
Sie...
Dazu gehört Mut: Zum 80. Geburtstag von Hermann Prey hat sich seine Familie kein ehrpusseliges TV-Denkmal gewünscht, sondern ein Porträt aus der teils freudesatten, teils aber auch schmerzlichen Erinnerung – und dazu den wichtigsten Teil selbst beigetragen. Martin Blum und Michael Harden haben die Idee aufgegriffen und sensibel umgesetzt. Man sieht den Bariton also...
