Schiller dekonstruiert
«Das Mädchen aus der Fremde» lautet der Titel eines Gedichtes von Friedrich Schiller. In diesem Jahr dreht sich alles um den Geistesheroen, der vor zweihundert Jahren starb. An der Schillerbühne zumal – denn so versteht sich das Mannheimer Nationaltheater. Der Abend, der um zwei Gedichte von Friedrich Schiller kreist, entstand als Auftragswerk der beiden Komponist/inn/en Isabel Mundry und Brice Pauset sowie der Choreografin Reinhild Hoffmann. «Der Tanz», der zweite Text, stand denn auch im Zentrum der Arbeit mit der Gattungsbezeichnung «Musik-Theater».
Eine «Oper» im eigentlichen Sinne ist es nicht: Es gibt keine Solisten, nur Chorensembles, zwei Schauspieler, Orchester und eine Balletttruppe. Eine Geschichte gibt’s nicht. Wie auch: Schillers Poem «Der Tanz» nimmt den Gesellschaftstanz als Modell der Gesellschaft schlechthin und fragt nach dem Zusammenhang von Freiheit und Regel: Die Choreografie ist die Ordnung, die individuelle Tanzvariation des einzelnen Paares die – relative – Freiheit. Dreimal wird auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters dieselbe Choreografie gezeigt, mit minimalen Abweichungen. Da werden Bewegungen einstudiert, imitiert, paarweise, im Ensemble. Aus dem ...
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Was eine Oper sei? Seit den Tagen Monteverdis wird über diese Frage rechtschaffen gestritten; und vor allem die Debatte darüber, ob ein Oratorium fürs Musiktheater tauge oder nicht, hat die Disputanten stets zu neuen Argumenten beflügelt. Im Falle von Robert Schumanns «Der Rose Pilgerfahrt» allerdings schien es bislang Common Sense zu sein, dass dieses letzte der...
Es war sein Einstieg: Frisch aus Klagenfurt engagiert, dirigierte der 29-jährige Ungar Henrik Nánási als neuer Erster Kapellmeister mit «Roméo et Juliette» eine viel versprechende Erstaufführung: Staunenswert, zu welchen Farbmischungen der Bläser und Streicher er sein neues Orchester animierte, wie er Oberstimmen leuchten ließ, Übergänge weich modellierte,...
Unter den Komponisten seiner Generation, die man historisch der «giovane scuola» zuordnet, war Francesco Cilea (1866-1950) schon zu Lebzeiten ein Außenseiter. Sein Nachruhm gründet sich auf eine einzige Oper, «Adriana Lecouvreur» (und auf die populäre Tenorarie «È la solita storia» aus «L’Arlesiana»). An «Gloria», sein letztes Bühnenwerk, hat er selbst nicht recht...
