Miki: AI-EN

Tokio

Für die Liebe sterben – das darf man in der Oper ja fast immer wörtlich nehmen. In Minoru Mikis neuester, fürs und im New National Theatre in Tokio entstandenen Oper ist das nicht anders: «AI-EN» trägt den Liebestod bereits im Titel, Miki erzählt darin zusammen mit seiner Lib­rettistin Jakucho Setouchi die Geschichte einer geheimen Melodie – und, klar doch, einer großen Liebe, wie sie nur die Oper und das Märchen glaubhaft machen können: Weil sie glaubt, ihren Mann verloren zu haben, stirbt die junge Japanerin Sakurako aus Trauer.

Doch der Witwer findet seine Liebe in China wieder. Dort nämlich trifft er auf Sakurakos Zwillingsschwester, eine be­gnadete Pipa-Spielerin.
International ist der Japaner Miki bekannt geworden für seinen glücklichen Versuch, westlichen Orchesterklang mit östlicher Musiziertradition zu amalgamieren. Und wenn er nun in «AI-EN» das Hohelied auf die Pipa anstimmt, die japanische Laute, dann mag es auf der Bühne folkloristisch zugehen – im Orchestergraben nimmermehr: Naoto Otomo hat die tückische Partitur fest im Griff, alle vergnüglichen Überraschungen, alle hineinkomponierten Turbulenzen. Und Jing Yang schlägt Funken aus ihrer Pipa, zunächst im Orchester, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 55
von Clemens Prokop

Vergriffen
Weitere Beiträge
Von Träumen und Traumata

Von einer Pendlerpauschale ist nichts be­kannt. Weber ging den Weg zum Arbeitsplatz zu Fuß: fünfzehn Kilometer die Elbe abwärts. Ein kleiner, schmäch­tiger, lungenkranker, leicht hinkender junger Mann am Stock. Erst später leis­tete er sich einen Wagen, um von seinem Sommerwohnsitz Hos­terwitz nach Dresden zu fahren, wo er das neugegründete deutsche Departement der...

Ensemblegeist

Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahl­reichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu...

Spannungen auf dem West-östlichen Diwan

Eric Vigié, Direktor der Oper in Lausanne, geht nicht den geradlinigen Weg durchs Mozart-Jahr. In einem dreifachen Programmschritt nähert er sich Mozarts «Così fan tutte». Die Inszenierung aus dem Piccolo Teatro in Mailand wird am Ende einer bunten Reihe von Veranstaltungen stehen. Der Einstieg auf der Bühne galt einem älteren, in Paris gefeierten Zeitgenossen,...