Auf der Höhe der Zeit
Erstaunlich, dass dieser «Don Quijote» nach seiner erfolgreichen Premiere in Spanien fünf Jahre gebraucht hat, um erstmals auf einer deutschen Opernbühne aufzutauchen. Das Werk hat nämlich alles, um zu einem – allerdings anspruchsvollen – Repertoirestück zu werden. Der Zugriff Halffters und seines Librettisten Andrés Amorós auf den alten Stoff ist bestimmt von kreativer Originalität: kein Nacherzählen der bekannten Abenteuer, sondern ein punktuelles Herausgreifen einzelner Episoden sowie deren Verschränkung mit der Vita des Autors.
Das Leiden des Cervantes an der Hervorbringung des «Mythos Don Quijote». Das Schicksal des schöpferischen Menschen, der zu Grunde gehen muss, während die von ihm ersonnene Gestalt ewiges Leben erhält.
Das alles eingefasst in eine persönlich geprägte, facettenreiche Tonsprache, die sich bruitistischer Klangballungen ebenso bedient wie verinnerlichter Instrumentalkantilenen. Deren Faktur auf der Höhe der Zeit ist und sich doch auch historischer Anleihen aus der spanischen Renaissancemusik bedient – nicht als Zitate, sondern in ganz eigenständiger, aneignender Verarbeitung. Eine Partitur und ein Werk voller großer, erregender Momente, dazu von eminenter ...
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Ein handfester Skandal zur Premiere oder schlicht und einfach das Prädikat: durchgefallen – das muss für eine Oper bekanntermaßen noch nicht die Versenkung im Orkus der Geschichte bedeuten. Siehe «Butterfly» und «Traviata» – eine kleine Änderung hier, eine andere Besetzung dort, und schon hatten Publikum und Geschichte ein Einsehen. Manchmal kommt der Erfolg aber...
Seit fünf Jahren verteilt die nordrhein-westfälische Regierung aus ihrem «Fonds Neues Musiktheater» Geld an jene Opernhäuser des Landes, die ein Werk auf den Spielplan setzen, das jünger als vierzig Jahre ist. Ästhetische Kriterien wollte man bisher nicht in Anschlag bringen – und ein Antrag reichte, um zu profitieren von einem Topf, der in diesem Jahr 250 000...
