Eine Reise
Herr Frey, im vergangenen Jahr, als Sie zum neuen Bremer Generalintendanten bestellt wurden, rauschte es im Blätterwald der Feuilletons: Angeblich wollten Sie die Bremer Oper zu einem Stagione-Theater umfunktionieren. Jetzt, wo Ihr Spielplan für die erste Saison vorliegt, liest sich alles doch etwas anders: Bremen behält ein relativ großes Hausensemble; viele Stücke werden nicht nur anderthalb Monate, sondern zum Teil wesentlich länger zu sehen sein; die Monatsspielpläne bringen bis zu fünf verschiedene Opernproduktionen im Wechsel.
Also eigentlich alles wie bisher?
Da muss ich ein bisschen weiter ausholen. Als ich Ende März 2006 engagiert wurde, war das Theater von der Insolvenz bedroht, und der Senator hatte ein Gutachten von Price-Waterhouse anfertigen lassen, das sehr umstritten war in der Theaterlandschaft. In diesem Zusammenhang hieß es, dass man über neue Strukturen nachdenken müsse. Dieses Thema liegt mir auch am Herzen, weil ich nicht glaube, dass es mit dem Repertoiretheater und seinen öffentlichen Subventionen in den jetzigen Strukturen für die nächsten zwanzig Jahre so uneingeschränkt weitergehen kann. Das war dann zunächst auch der Ausgangspunkt der Gespräche und ...
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Herr Pierwoß, Bremen und seine Theaterpolitik – ist das für Sie Anlass zu einem Rückblick im Zorn?
Ganz zweifellos. Vor einiger Zeit, als wir an dem Buch über meine Bremer Jahre arbeiteten, das jetzt herausgekommen ist, bin ich noch einmal detailliert meine dreizehn Spielzeiten durchgegangen. Und da sind bei mir doch viele Aggressionen wieder hochgekommen....
Eine Ära ist zu Ende gegangen. Nach dreizehn Jahren hat Klaus Pierwoß, dienstältester Bremer Nachkriegsintendant, in diesem Sommer seine von vielen Erfolgen und überregionaler Anerkennung begleitete Tätigkeit in der Hansestadt abgeschlossen. Eine Zeit, die für den Amtsinhaber nicht ohne Anfeindungen verlaufen ist, vor allem seitens der offiziellen Bremer...
Als Kirill Petrenko im Juli dieses Jahres sein letztes Sinfoniekonzert an der Komischen Oper Berlin dirigierte, verabschiedeten die Musiker ihren Chef mit einem symbolträchtigen Geschenk. In Anspielung auf Petrenkos letzte Premiere, das «Land des Lächelns», verliehen sie ihm eine gelbe Jacke, in Lehárs Operette das Zeichen für die allerhöchsten Würden, deren der...
