Neues in nicht immer gänzlich neuem Gewand

In Graz wurde ein «Opernreigen der Zukunft» gegeben, inszeniert von der ring-award.05-Preisträgerin Anna Malunat

Das gibt es auch nicht alle Tage. Eine junge Regisseurin wirft zwei Tage vor der Premiere hin und reist ab, weil man sie um ein paar kleine szenische Änderungen bittet. So geschehen im Next Liberty, einer Nebenspielstätte der Grazer Oper. Dort versuchten sich vier Nachwuchskomponisten aus den Klassen etwa von Beat Furrer oder Georg Fried­rich Haas an Kurzformen musiktheatralen Schaffens. Vor allem drei Dinge wurden dabei deutlich: Es gibt begabte junge Komponisten/innen; zu viel Orientierung an einem Lehrer ist eher schädlich; ein unausgewogenes szenisches Konzept kann viel zerstören.


In einer Bühnenlandschaft aus Notenbögen, alten Grammofonen, Filmprojektoren, Tonbandgeräten mit he­rausquellenden Bändern und im Raum verstreuten Instrumenten und Musikern, bewegt sich ein Haufen Menschenmaterial. Es handelt sich um die Statisterie der Grazer Oper, die Notenpapier faltet, Projektoren bedient, telefoniert, immer wieder schreit, das Licht an- und ausmacht oder schlicht herumrennt. Laut Anna Malunat handelt es sich um Tonsammler. Reichlich kafkaesk das Ganze. Da singt jemand ein bisschen, und schon gruppieren sich Notizbuchschreiber und ein Dirigentendouble um ihn. Was und wie da genau ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: Magazin, Seite 31
von Jörn Florian Fuchs

Vergriffen
Weitere Beiträge
Röntgenblicke auf Elektra

Trotz des aufgebotenen Riesenorchesters ist die «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss ein psychologisches Kammerspiel, dessen feine Nuancen nach dem aufmerksamen Kamera-Auge verlangen. Vier beinahe zeitgleich veröffentlichte DVD-Mitschnitte von Produktionen aus einem Vierteljahrhundert ziehen unsere Aufmerksamkeit auf drama­tische und darstellerische Details, die...

Weniger ist mehr

Als nach der Premiere von Pietro Mas­cagnis «Iris» die letzten Gäs­te das Chemnitzer Opernhaus verlassen, ist vor der Fassade schon das Banner für den nächsten Spieltag festgezurrt. Die «Comedian Harmonists» kommen. Das szenisch in Deutschland zuletzt 1899 (!) aufgeführte Japan-Stück Mascagnis steht erst Ende März wieder auf dem Spielplan. Die Entdeckung muss...

Am stillen Herd in Winterszeit

Während in Deutschland Winterstürme tobten, fand in Barcelona bei Temperaturen über zwanzig Grad zum 44. Mal ein Gesangswettbewerb statt, der den Namen des bedeutenden katalanischen Tenors Francesc (Francisco) Viñas trägt – einem Sänger, der nicht nur in der Heimat, sondern auch an der Metropolitan Opera als Nachfolger Gayarres galt und sowohl in der italienischen...