Himmel auf Erden

Stefan Herheim und Stefan Soltesz mit «Don Giovanni» in Essen

Das sogenannte Regietheater ist in Verruf geraten. Immer häufiger werden seine Verfechter, zumal wenn es um das Kernrepertoire der Oper geht, nicht nur vom Publikum, sondern auch von Kritikern an den Pranger gestellt. Was vor rund vierzig Jahren als Rebellion gegen ein katechetisches Deutungsprimat begann, das unter Regie im Wesentlichen die Schaffung ­dekorativer tableaux vivants verstand, findet sich heute meist in der Defensive.

Ob altgediente Neuerer wie Hans Neuenfels und Peter Konwitschny oder junge Wilde wie Sebastian Baumgarten und Calixto Bieito – wer sich die Freiheit herausnimmt, kühn – und auf den ers­ten Blick nicht ohne Weiteres nachvollziehbar – über den Wortlaut eines Lib­rettos hi­naus zu denken, muss mittlerweile selbst aus der Ecke professioneller Beobachter mit heftigen Reaktionen rechnen.
An der Kontroverse, die der sechs­unddreißigjährige Stefan Herheim nun mit einer krachend-sinnenfrohen, barockprallen «Don Giovanni»-Inszenierung am Essener Aalto-Musiktheater in deutschsprachigen Feuilletons auslöste, lässt sich dieser Perspektivwechsel exemplarisch ablesen. Zwar jubelte die «Süddeutsche Zeitung», der junge Norweger stelle «so ziemlich alles in den Schatten, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Welttheater, und was daraus wurde

Das Ende ist Stille. Nur von einem äthe­rischen Geigenschimmer getragen entschwebt die Seele der getauften Muslimin Clorinda in Claudio Monteverdis «Combattimento» gen Himmel. Die Musik löst sich in nichts auf, gesteht ein, dass ihre Mittel hier am Ende sind, dass alle tönende Pracht der voraufgegangenen «Marienvesper» nicht über die Endlichkeit des Daseins...

Der Regisseur als Souffleur

Vierzig Jahre sind ins Land gegangen, seit Joan Sutherland und der junge Luciano Pavarotti in Donizettis französischer Komödie auf der Bühne des Royal Opera House Händchen hielten. Bald darauf sollten sie die Welt erobern, nicht zuletzt dank jener ewig frischen Decca-Aufnahme, die uns daran erinnert, warum Pavarotti als «König der hohen Cs» galt.
Sutherland und...

Offenbach: Hoffmanns Erzählungen

«Les Contes d’Hoffmann» feierten 2002 an der Deutschen Oper Berlin eine ambitionierte, doch unfertig wirkende Premiere in der Regie von Sven-Eric Bechtolf. Weniger anspruchsvoll, dafür konsequent durchinszeniert, hebt nun die Komische Oper Thilo Reinhardts deutschsprachige Produktion (mit Dialogen) auf die Bühne. Dem Regisseur kommt dabei die Aufgabe zu, gegen die...