Die Verdammten
Gott, welch Dunkel hier! Als wären wir zu Gast im Schattenreich der Nyx, wo totale Finsternis herrscht, Licht nur in seiner trübseligsten Form Zugang zu finden vermag (und singende Kinder gar keinen Zutritt haben) und wo nun auch die Untoten das Sagen haben. Schon vor dem ersten Ton sieht man sie hin und her schleichen um die «Kirche des Gewesenen» – entleerte Seelen, die längst alle Hoffnung haben fahren lassen, mit weißen Masken und Totengräberkleidern, denen sich später ein Chor aus bleichen Sängerinnen und Sängern hinzugesellen wird.
Ein Wunder ist es nicht: In der Stadt des Todes können schöne Gefühle kaum gedeihen, und wenn sie es dann doch einmal tun, dann nur für wenige Augen -blicke. Die Möglichkeit der Liebe, sie existiert im Grunde kaum in diesen «heiligen» Hallen, zumindest nicht am Staatstheater Mainz, wo Korngolds Geniestreich 125 Jahre nach der doppelten Uraufführung (in Hamburg und Köln) erstmals überhaupt zu bestaunen ist.
Die Ausstatter Timo Dentler und Okarina Peter haben auf die Bühne des Staatstheaters ein schiefes Holzhaus gesetzt, das seine Hermetik bald aufgibt, weil sich die einzelnen Teile selbstständig machen und wie magische Module durch den Raum ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Dieser Lohengrin ist eine Lichtgestalt: weißer Anzug, weißes Gesicht, weißes Haar. In der Inszenierung von Roger Vontobel wird er während des Orchestervorspiels in einer Videoprojektion als übermenschliches Wesen kreiert. Zu den Zauberklängen, die Roberto Rizzi Brignoli aus dem Orchestergraben aufsteigen lässt, formen die Videokünstler Clemens Walter und Jonas Dahl...
Remembrance» hat Marcel Brunner sein Debütalbum genannt, das mit Blick auf die gegenwärtige Weltlage Lieder präsentiert, in denen die Schrecken der beiden Weltkriege reflektiert werden. Er erinnert dabei auch an den hochbegabten Rudi Stephan, der 27-jährig bereits im ersten Kriegswinter 1915 an der Front starb. Es sind «ernste Gesänge» in Anlehnung an Brahms’...
Yerma», das bedeutet soviel wie «ausgedörrt» und «unfruchtbar». Und es ist gewiss kein Zufall, dass auch die Titelfigur in Federico García Lorcas Drama diesen Namen trägt – eine junge Frau im ländlichen Andalusien, die sich mit Juan, den ihr Vater ausgesucht hat, nur verheiratet hat, weil sie sich in eine Mutterrolle flüchten will. Doch Jahr um Jahr vergeht, ohne...
