Auf der Psycho-Couch
Auf den Titelblättern der Programmhefte dieser beiden Musiktheater-Novitäten prangt (sie sind im selben Hellrot wie das Schriftlogo «Staatsoper Hamburg» gesetzt) eine Zahl, die Bände sprechen soll. Eine «22» für Unsuks Chins «Die dunkle Seite des Mondes», eine «23» für Rodolphe Bruneau-Boulmiers «Die Illusionen des William Mallory».
Das Leitungsduo des Hauses an der Dammtorstraße, Kent Nagano und Georges Delnon, weist somit darauf hin: In ihrer nach zehn Jahren zu Ende gehenden Zeit an Elbe und Alster waren Uraufführungen kein Feigenblatt, sie gehörten zum Selbstverständnis. Für Opernfans mit Geschichtsbewusstsein lassen die beiden Herren deutlich mitschwingen, dass ihnen das bislang Unerhörte so sehr ein Anliegen war wie einst Rolf Liebermann, der während seiner legendären ersten Hamburger Ära lukratives Star-Theater und eine beherzte Uraufführungskultur konsequent auszupendeln wusste. Dabei galt für den Schweizer damals so sehr wie für seinen Landsmann jetzt: Nicht jedes frisch aus der Taufe gehobene Opus geht in die Geschichtsbücher ein. Da gab es weiland neben Kagels frech skandalöser Anti-Oper «Staatstheater» auch manches, was danach schnell in den Archiven verschwand. Der Mut ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Peter Krause
Die Begebenheit ist alt. Sehr alt. Ein Märchen beinahe, aus dem dritten Jahrhundert vor Christi. Es findet sich in den «Jātaka», einer Sammlung von Geschichten, in deren Zentrum Buddha steht – jener «Erleuchtete», der imstande war, sich in verschiedene (menschliche wie tierische) Gestalten zu verwandeln. So eben auch in einen Hirsch. Dieser rettet einen...
Anders als Antonio Salieri mit seinem «Cublai, gran kan de’ Tartari» konnte Mozart schon zu Lebzeiten mit der «Zauberflöte» reüssieren – vor allem aber sein Mitstreiter Emanuel Schikaneder, der sich mit den Einspielergebnissen ein neues Theater baute – das «Theater an der Wien». Dass ihm dabei ein Kaufmann mit dem wie von Nestroy erfundenen Familiennamen Zitterbart...
Wie alt ist eigentlich Wotan?
Schwer zu sagen. Ich sehe den «Rheingold»-Wotan als einen jungen Mann. Er ist feurig, ungestüm, fällt die falschen Entscheidungen, plant nichts so richtig. In der «Walküre» hat sich seine Mentalität, seine Denkweise geändert, auch weil er nun Vater geworden ist. Ein riesiger Lebenseinschnitt. Ich wurde mit 27 Jahren Vater, das ist in...
