Seismograph des Unbewussten
Und als ich wiederkam, da – kam ich nicht wieder.» Dies Bekenntnis des Romanciers Alfred Döblin aus dem Jahr 1946 fasst das Schicksal der von den Nazis 1933 ins Exil vertriebenen oder in die innere Emigration gezwungenen Juden und ihrer verfemten Werke in einem einzigen Satz zusammen. Er gilt auch für den bereits 1934 an gebrochenem Herzen gestorbenen Komponisten Franz Schreker. Sein Hauptstück, die 1912 uraufgeführte Oper «Der ferne Klang», wird alle Jahre wieder mal entdeckt, ohne aber wirklich Bestandteil des Repertoires zu bleiben.
Schrekers Fall war tiefer als der von Zemlinksy, Korngold oder Braunfels, um nur drei Namen mit gänzlich gegensätzlichen Lebensschicksalen zu nennen. 1920 galt er als der «zukunftsvolle Erneuerer» (Paul Bekker) des nachwagnerischen Musiktheaters und stand als meistgespielter Opernkomponist neben Richard Strauss im Zenit seines Ruhms. Doch die kulturpolitische Stimmung schlug schnell um. Schrekers späteren Opern waren trotz stilistischer Anpassung an den neusachlichen Geschmack der Zeit herbe Misserfolge, die älteren wurden kaum mehr gegeben und die für 1933 geplante Uraufführung des «Christopherus» nach der Machtergreifung Hitlers abgesetzt. Die ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht...
Who cares about opera? Who cares about the arts? Who cares about music that is not in the charts? Wer interessiert sich für Oper? Für Kunst im Allgemeinen? Und für Musik, die eben nicht in den gängigen Charts auftaucht? Das sind Fragen, denen man sich ausgesetzt sieht, wenn man als 26-Jähriger nicht rappt, sondern ausgerechnet Opern komponiert. Und wie ich sie...
Richard Wagner verehrte zeitlebens Daniel-François-Esprit Aubers «Muette de Portici». Das Stück war für ihn ein prägendes Jugenderlebnis, nicht nur wegen des spektakulären Sujets des neapolitanischen Lazzaroni-Aufstands von 1647 und des tragischen Scheiterns seines charismatischen Führers Masaniello, der wie ein Schatten die Konzeption von «Rienzi» begleiten wird,...
