Gegensätze ziehen sich an
Im Ranking der meistgespielten Opern lebender Komponisten rangierte Kurt Weills Einakter «Der Zar lässt sich fotografieren» von der Uraufführung 1928 bis zu dessen Verbot 1933 auf dem zweiten Platz, gleich nach Strauss’ «Rosenkavalier». Seinen Erfolg verdankte Weills «Zeitoper» insbesondere ihrem gewitzten Aktualitätsbezug. In der Partitur pulsieren nicht nur Jazz und Tanzmusik, man hört zudem Geräusche weiland moderner technischer Errungenschaften wie Telefon, Türklingel oder Grammophon.
In einem Doppelabend wurde die Opera buffa nun zusammen mit Weills «Sieben Todsünden», einem Ballett mit Gesang auf einen Brecht-Text, in Kaiserslautern auf die Bühne gebracht. Satirischer Kriminalschwank hier, kapitalismuskritische Untergangsvision dort – inhaltlich wie stilistisch liegen die Werke meilenweit auseinander. Doch der Regisseurin Martina Veh gelingt es, sie in einem gemeinsamen Bühnenbild zu verzahnen. Im «Zar» fungiert ein gigantischer Thron (Bühne: Thomas Dörfler) als zweigeschossiges Wohnhaus. Hier empfängt die Pariser Fotografin Angèle den Herrscher eines imaginären Zarenreiches zum Fotoshooting. Was der nicht weiß: Verschwörer haben das Atelier gekapert, die echte Angèle (mit ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Silvia Adler
György Kurtág, der Grand Old Man der Moderne, der im kommenden Februar seinen 100. Geburtstag feiern wird, hat in seinen Vokalwerken stets zu Texten gegriffen, die sich eigentlich jeder Musik entziehen – Becketts Schauspiel «Fin de partie», Fragmente aus Kafkas Prosa, Lyrik des späten Hölderlin oder Aphorismen aus Lichtenbergs «Sudelbüchern». Umso irritierender, so...
Während die «Poèmes pour Mi» von 1936, die Olivier Messiaen seiner ersten Ehefrau Claire Delbos widmete, in den Konzertsälen immer wieder auftauchen, hört man den zwei Jahre später vollendeten Liederzyklus «Chants de terre et de ciel» doch eher selten, obwohl dieser nicht nur inhaltlich, sondern auch in seinem Klangbild erkennbar an die «Poèmes» anknüpft....
In der Vorstellungskraft dieses Mannes scheint nichts unmöglich: Ein Haus errichten und eine Familie gründen will Peer Gynt mit einer Braut, die er eben von der Hochzeit weggestohlen hat (als sie sich ihm nicht willig zeigt, wandelt sich Zuneigung innerhalb eines Wimpernschlags in Hass, die Begehrte wird als «Hure» abgestoßen, als wäre zuvor nichts geschehen)....
