Heimisches Gewächs
Man könnte denken, Johann Friedrich Agricola habe mit seinem Geburtsort geographische Gerechtigkeit walten lassen. Bald auf den Meter genau in der Mitte zwischen den Städten Altenburg und Gera liegt das Dorf Dobitschen, wo Agricola 1720 als Sohn eines «Fürstlich Altenburgischen und Freiherrlich Bachofenischen Kammeragenten und Gerichtsdirektors» zur Welt kam. Gemeint ist die Adelsfamilie Bachofen von Echt, die dort ein Wasserschloss besaß.
Als Agricolas Oper «Achille in Sciro» im vergangenen April vom Theater Altenburg Gera erstmals nach der Potsdamer Uraufführung wieder auf die Bühne gebracht wurde, durften sich also beide Orte des 1995 fusionierten Theaters gleichermaßen im Licht der Wiederentdeckung sonnen. Mit leichten Vorteilen bei Altenburg. Offiziell liegt Dobitschen im «Altenburger Land». Gleichwohl fand Agricola sein Glück weiter nördlich: In Leipzig nahm er bei Johann Sebastian Bach Unterricht, über dessen Sohn Carl Philipp Emanuel kam er 1741 nach Berlin, wo er Zugang fand zum musikalischen Kreis um Friedrich den Großen. Zehn Jahre später wurde er Kammermusiker und Hofkomponist des Königs, blieb damit aber eine Stufe unter dem Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun. Das ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 37
von Clemens Haustein
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