Überwältigende Vielfalt
Darüber, was Musik sein könnte, gingen die Meinungen schon immer auseinander. Mag sie ihrem Ursprung nach, als «mousiké», Musenkunst gewesen sein, differieren die Definitionen je nach Zeit, Perspektive und Autor. Für Schönberg bedeutete Musik eine Form mystischer Konsonanz mit dem Weltall, für den Experimentalpsychologen Steven Pinker ist sie kaum mehr als «akustischer Käsekuchen» – zwar ein hochrangiges Genussobjekt, aber «nicht auf das Erreichen eines Ziels ausgerichtet».
Helmut Lachenmann sieht Musik als zunehmend «meteorologisches Phänomen», dies im Gegensatz zum romantisch-revolutionären Mystiker Richard Wagner, der in ihr die «höchste, erlösendste Kunst» entdecken wollte, damit nicht so weit entfernt von der Definition des Platonikers Boethius: Musik, so dekretierte dieser, sei ein kosmisches Emanationsgeschehen, das von der musica mundana über die musica humana zur musica instrumentalis hinabfließe. Wehe dem, der das bezweifelt!
Christoph Türcke hält sich bedeckter: Authentische Musik, schreibt er in bester aristotelischer Manier, sei «Erschütterungskultur, die bis ins Subakustische hinabreicht. Wo sie wirklich rührt, rührt sie auch an den Gleichgewichtssinn, der große ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 41
von Jürgen Otten
An Gesamtaufnahmen des «Rinaldo» herrscht kein Mangel. Was wir hören, ist stets die erste Fassung, deren Premiere am 24. Februar 1711 im Londoner Queen’s Theatre am Haymarket und auch danach wahre Begeisterungsstürme auslöste. 1731 später bearbeitete Händel «Rinaldo» aber derart radikal, dass man fast von einem neuen Werk sprechen muss. Die Stimmlagen fast aller...
Natürlich muss man, fällt der Begriff der «Heimat», sogleich an Edgar Reitz denken, an sein epochales Filmepos gleichen Namens. Und natürlich hält die philosophische Literatur jede Menge schlaue Sentenzen zu diesem Topos bereit. Etwa die des stets heimatverbundenen, urdeutschen Denkers Martin Heidegger. In seinem Hauptwerk «Sein und Zeit» sinniert er über unser...
Das ganze Leben in nur 90 Minuten? Für Jürg Laederach, den ingeniös-versponnenen Schweizer Schriftsteller, war dies kein Problem. Man musste nur die Zeit richtig einteilen und Worte finden, mit denen sich die Existenz (und deren Brüchigkeit) auch in gedankenscharfen Miniaturen beschreiben ließe. Nachgerade in Vollendung gelang dies dem 2018 verstorbenen...
